Ihr betet“

Audio-Gottesdienst zum Sonntag „Rogate“, 17. Mai 2020

von Pfrin. Kira Busch-Wagner

Matthäus 6, 5-15

Musik: Charlotte, Helen, Lilia und Lukas Pfatteicher, Trompeten
Ute und Matthias Pfatteicher, Posaunen
Eva Lichtenberger, Gesang
Johannes Blomenkamp an der restaurierten Vier-Orgel der Trinitatiskirche Durlach-Aue

Sprecherin: Kira Busch-Wagner
Sprecher: Johannes Kurz

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Glocke der Stadtkirche Durlach

Musik zum Eingang – Fanfare (Uhlenhoff)

Begrüßung, Votum und Gruß

Liebe Hörerin, lieber Hörer / Liebe Gemeinde,

nach vielen Wochen ein Wiedersehen, ein Wiederhören heute am Sonntag Rogate, am Sonntag: „Betet“. Ich nehme das auch als eine Feststellung: ihr betet. Denn viele haben gebetet in den vergangenen Wochen. Haben vor allem für andere gebetet, Fürbitte gehalten. Für die Kranken, die Sterbenden, für die Einsamen, die nicht besucht werden dürfen, für die Menschen in den Alters- und Pflegeheimen, für Menschen, die wirtschaftlich bedroht sind.
Wir haben den festen Glauben, dass der biblische Gott, der Vater Jesu, uns erhört. Auch dann, wenn Gebetswünsche nicht in Erfüllung gehen.

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet, schreibt Paulus nach Rom (Röm 12,12).
Wir tun dies heute auch in dieser besonderen Gestalt eines kleinen Gottesdienstes unter besonderen Bedingungen. Auf Abstand. Verbunden mit Sicherheitsmaßnahmen. Gar begrenzt auf das Hören.

Gebet aber ist immer möglich. Gebet verbindet stets – auch über räumlichen oder zeitlichen Abstand hinweg. Mit Menschen und mit Gott.

Gelobt sei Gott, heißt es im Wort über dieser Woche, einem Vers aus Psalm 66 (66,20), gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

In solchem Vertrauen sind wir zusammen
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Lasst uns gemeinsam vor Gott treten
indem wir hören auf Worte aus dem 95. Psalm, wo Israel betet:

Aus Psalm 95

Lasst uns mit Danken vor Gottes Angesicht kommen.
Denn der HERR ist ein großer Gott
Und ein König über alle Götter.
In seiner Hand sind die Tiefen der Erde und die Höhen der Berge.
Kommt lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn,
der uns gemacht hat.

Lied EG 337 „Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn“

Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn,
freuet euch seiner und dienet ihm gern.
All ihr Völker, lobet den Herrn.

Eingangsgebet

Weil du, unser Gott, uns siehst, gehen wir nirgends verloren.
Weil du, unser Gott, uns hörst, geht unsere Stimme nicht unter.
weil du, unser Gott, uns liebst, sind wir niemals verlassen.
Wir danken dir, dass du uns hältst und begleitest,
dass du als ein guter Hirte uns führst.
In dieser und in der kommenden Welt.
An jedem Tag unseres Lebens und jenseits seiner Grenzen.
Freude und Schmerz jeden Tages legen wir dir in die Hände.
Dir sei Lob in Ewigkeit. Amen.

Lied EG 103 „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“

1. Gelobt sei Gott im höchsten Thron
samt seinem eingebornen Sohn,
der für uns hat genug getan.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

5. Nun bitten wir dich, Jesu Christ,
weil du vom Tod erstanden bist,
verleihe, was uns selig ist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

6. O mache unser Herz bereit,
damit von Sünden wir befreit
dir mögen singen allezeit:
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Predigt zum Sonntag Rogate, Evangelium nach Matthäus 6, 5-15

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Vater unser im Himmel – wieviel haben das große Gebet der Christenheit in den letzten Wochen aufgenommen, bedacht, gemurmelt, gesprochen, anderen damit sich nahe gefühlt. Heute am Sonntag Rogate ist das „Vater unser“ den evangelischen Gemeinden im deutschen Sprachraum aufgetragen gemeinsam zu bedenken. Ist heute der Predigttext. Die kirchliche Tradition hat das Vater-unser ganz früh schon in der Kirchengeschichte herausgenommen, herausdestilliert aus jenen Kapiteln des Matthäusevangeliums, die als Bergpredigt Jesu gelten. Jesus erläutert das dort das Vater-unser-Gebet für seine Schülerinnen und Schüler, ja, für das ganze Volk.

Er gibt dabei zwei Aufträge mit. Der erste Auftrag lautet: Nicht angeben beim Beten! Nicht protzen, nicht was hermachen, nicht auffallen, sich nicht wichtig machen damit. Ein Auftrag, leicht nachzuvollziehen. Schließlich geht es im Vater-unser wie in anderen jüdischen Gebeten auch erst einmal um Gott. Vater unser. Im Himmel. Es geht um einen größeren Horizont, als wir von uns aus haben. Dein Name, Gott, werde geheiligt. Also: dir, Gott, kommt alle Ehre zu. Gottes Namen zu heiligen: das heißt Gottes Werke an seinen Geschöpfen erkennen und bekennen. Und nicht etwa Gott sich zu Diensten zu machen, sich in die Tasche zu stecken, sich Gottes sicher zu sein. Gottes Namen heiligen: das heißt: Gottes Taten bekennen wir als göttlich. Nicht unsere – das wäre schon Missbrauch des göttlichen Namens. Die Taten des biblischen Gottes bekennen: weltweit tun es viele trotz Drohungen und Verfolgung.

Am Ende kommt es uns selbst zugute, groß zu reden von Gott. Es kommt auch uns zugute, wenn sein Reich kommt, seine Gegenwart unter uns deutlich wird, wenn wir Gott Raum gehen. Und beten: dein Reich komme, dein Frieden, deine Nähe, deine Liebe, dein Schutz – für uns und uns zugute. Dein Wille geschehe. Dein Wille, dass Gerechtigkeit allen Menschen widerfährt, dass Leben aufblühe, Gemeinschaft und Gemeinsinn. Wenn Jesus uns lehrt, auf Gott zu blicken, dann lehrt er, mit Gottes Augen auf die Menschen zu sehen. Liebevoll. Leben schaffend. Und Gerechtigkeit. „Dein Name“, „dein Wille“, „dein Reich. Eine jesuanische Gestalt von Trinität.

Der zweite Auftrag Jesu hinsichtlich des Betens ist eigentlich eine Entlastung. Nicht plappern, sagt er. Es kommt nicht auf die Menge der Worte an. Gott weiß, was ihr braucht. Und so lehrt Jesus das Gebet, das wir als Vater-unser kennen, als Kurzgebet. Kompakt. Konzentriert. Ein Gebet im Quadrat. Um vier Nöte gehts. Als allererstes: Unser Brot gib uns heute. Lass unsere Grundbedürfnisse gestillt sein. Hilf uns zum Leben. Die Bibel ist ziemlich materialistisch. Erst das Auskommen!
Dann die zweite Bitte: Vergib uns Schuld. Denn wie edel auch immer wir handeln – wir laden Schuld auf uns. Und andere bleiben uns manches schuldig. Sie bedürfen unserer Vergebung. Ich kann Vergebung gewähren. Ich kann sie nicht einfordern. Ich kann aber bitten. Vergibt uns unsere Schuld.

Bitte Nummer drei: führe uns nicht in Versuchung, in Anfechtung, in schwere Not, in Tage, die uns verzweifeln lassen an einem guten und zugewandten und freundlichen Gott. Solche Tage sind furchtbar. Manche haben solche erlebt. Bitte, bitte nicht. Und schließlich vier: Befreie uns vom Bösen.- Brot. Schuld. Freiheit von Anfechtung. Freiheit vor dem Bösen. Das kompakte Quadrat der Bitten im Vater-unser.

Am Ende lehrt uns die Tradition, die Bitten zu krönen. Mit dem großen Lob Gottes. Mit den feierlichen Worten: „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit“.

Jesus lehrt das Vater-unser. Es zu beten, ist großes Können. Zugleich ganz einfach. Beten ersetzt nicht andere Fähigkeiten. Beten ersetzt nicht Medizin. Beten ersetzt nicht vernünftiges Handeln. Beten übt ein, von Gott her auf sich selbst zu schauen. Von Gott her auf die andern. Mit Gottes Hilfe Freiheit einzuüben.

Freiheit von Mangel, Schuld, Not, Bösem. Freiheit davon gilt im Reich Gottes.

Rogate – ihr betet. Und: Betet! Haltet an im Gebet. Übt ein die Freiheit der Kinder Gottes.

Und der Friede Gottes, höher als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied EG 188 „Vater uns, Vater im Himmel“

Vater unser, Vater im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe.
Geheiligt werde dein Name.
Wie im Himmel, so auch auf Erden.
Geheiligt werde dein Name.
Unser täglich Brot, Herr, gib uns heute.
Geheiligt werde dein Name.
Und vergib uns unsere Schuld.
Geheiligt werde dein Name.
Wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.
Geheiligt werde dein Name.
Und führ uns, Herr, nicht in Versuchung.
Geheiligt werde dein Name.
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Geheiligt werde dein Name.
Denn dein ist das Reich und die Kraft.
Geheiligt werde dein Name.
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Geheiligt werde dein Name.

Fürbitten und Vaterunser

Heute hätten wir Konfirmation gehabt. Lasst uns an die Jugendlichen denken und an ihre Familien und für sie beten.
Wir vermissen heute vertraute Gesichter. Lassen Sie uns die Menschen in unsere Gedanken und Gebete mitnehmen.

Du, unser Gott, weißt um uns und um unsere Anliegen.
Du kennst uns in dem was wir brauchen und was wir wünschen.
Dein Ohr ist offen für uns.
Wenn wir schweigen, bleibt deine Aufmerksamkeit.
Wenn unsere Stimme bricht, bist du geduldig und zugewandt.
Wenn wir dich anrufen, ist deine Freude groß.

In solcher Gewissheit bitten wir dich
Für die Menschen in unserer Gemeinde, die heute gern mit uns Gottesdienst gefeiert hätten. Behüte und bewahre sie in den unsicheren, beängstigenden Zeiten.
Für die Jugendlichen, dass sie spüren, nicht allein zu sein. Sondern wissen: du siehst sie. Dir sind sie wichtig und lieb.
Wir bitten dich für die Menschen in den Heimen. Für alle, die zu Hause gepflegt werden. Für, alle, die sich mit Mühe, aber gern selbst versorgen.
Bei dir ist niemand ausgeschlossen. Niemand übersehen.

Was uns bewegt, bringen wir in der Stille vor dich.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied EG 171 „Bewahre uns Gott“

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen,
sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen.

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten,
voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen,
sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen,
dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.

Segen

Was wir erbeten haben im Lied,
soll euch zugesprochen sein.

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Herr hebe sein Angesicht auf euch und sei euch gnädig.
Amen

Musik zum Ausgang: Are you ready? (R. Roblee)
Hinweise und Schlussläuten
Audio-Gottesdienste – Podcast