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Erscheinungsdatum: 10.04.2026 13:59:35

Präses Latzel: Olympische Spiele in NRW sind "einzigartige Chance"

Thorsten Latzel (epd-bild/Paul-Philipp Braun)
Der rheinische Präses Thorsten Latzel erhofft sich von Olympia in Deutschland einen immensen Impuls für den gesamten Sport. Als EKD-Sportbeauftragter kritisiert er Pläne des IOC für verpflichtende Geschlechtertests in Frauenwettbewerben.

epd-Gespräch: Thomas Krüger

Düsseldorf (epd). Für den rheinischen Präses Thorsten Latzel sind Olympische Sommerspiele in Nordrhein-Westfalen eine „einzigartige Chance internationaler Begegnung“. Die Spiele müssten nachhaltig gestaltet sein und den Breitensport dauerhaft fördern, sagte der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bis zum 19. April laufen in 17 nordrhein-westfälischen Kommunen Bürgerentscheide über eine Olympia-Bewerbung.

epd: Was spricht aus Ihrer Sicht für die Ausrichtung von Olympia in Nordrhein-Westfalen?

Thorsten Latzel: Ich spreche mich persönlich klar für Olympische Sommerspiele in NRW aus. Solche Spiele sind eine einzigartige Chance internationaler Begegnung und Völkerverständigung. Wir können nicht darüber klagen, dass Autokraten sportliche Großereignisse missbrauchen - und dann als Demokratien diese Möglichkeit liegen lassen. Für die Athletinnen und Athleten und den gesamten Sport in Deutschland würden heimische Spiele einen immensen Impuls vermitteln. Ich konnte in Paris erleben, was das für eine Stimmung schafft. Olympische Spiele wären darüber hinaus allgemein eine Werbung für die Rhein-Ruhr-Region. NRW bietet dafür viele vorhandene Sportstätten, eine sehr gute Infrastruktur und eine internationale Bevölkerung - noch dazu mit rheinischem Humor. Und als rheinische Kirche sind wir ohnehin gerne ökumenischer Gastgeber.

Ökologie, Nachhaltigkeit und soziale Wirkung zentral

epd: An Olympia wird etwa wegen wenig Nachhaltigkeit beim Bau von Sportstätten oder finanziell unvorteilhaften Bedingungen für die Gastgeberregion Kritik geäußert. Sollte man dennoch das Geld dafür in die Hand nehmen?

Latzel: Die Gestaltung der Sportstätten und Infrastruktur ist ja Sache des jeweiligen Landes beziehungsweise der Region. Dabei müssen unbedingt Gesichtspunkte von Ökologie, Nachhaltigkeit und sozialer Wirkung eine zentrale Rolle spielen. Das sind alles Themen, für die wir uns als Kirche engagieren. Und hier sehe ich eben die große Chance, wenn Olympische Spiele in einer freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie stattfinden, wie zuletzt die Winterspiele in Italien. Es darf keine Form von sozialer Verdrängung, unfairen Arbeitsbedingungen oder ökologischer Ressourcen-Verschwendung geben. Ich glaube aber, dass gerade die Rhein-Ruhr-Region, die für einen sozial-ökologischen Wandel steht, hier international Zeichen setzen kann. So gestaltete Spiele können dann gerade zum sozialen Zusammenhalt und zur dauerhaften Förderung des Breitensports beitragen.

Geschlechtertests „ethisch problematisch“

epd: Das IOC will ab den Spielen 2028 verpflichtende Geschlechtertests für den Start in Frauenwettbewerben einführen - Transfrauen sollen daran nicht mehr teilnehmen dürfen. Ist das aus christlich-ethischer Sicht vertretbar?

Latzel: Ein Ausschluss von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität geht nicht. Es ist die Aufgabe von Sportverbänden, für faire Wettkampf-Bedingungen zu sorgen - durch Klassifizierungen nach Gewicht, Alter oder Geschlecht. Es ergibt etwa keinen Sinn, wenn eine 100 Kilogramm schwere Person gegen eine 50 Kilogramm schwere boxen würde. Angemessene Rahmenbedingungen für fairen Wettkampf sind im Sinne der Athletinnen und Athleten.

Gerade der Para-Sport ist hier ein wichtiges Lernfeld für einen produktiven Umgang mit verschiedenen Formen körperlicher Handicaps in unterschiedlichen Leistungsklassen. Solche Wettkampf-Bedingungen müssen aber gemeinsam im offenen, gesellschaftlichen Diskurs ausgehandelt werden. Und sie dienen dazu, Teilnahme von Athletinnen und Athleten unter fairen Bedingungen zu ermöglichen, nicht Menschen auszuschließen. Ein rein binäres, biologistisch bestimmtes Geschlechterverständnis wird hier nicht weiterführen. Auch die Pflicht zu solchen Tests halte ich für ethisch problematisch. Sport hat eine integrative Funktion und muss sich mit der Gesellschaft weiterentwickeln. Das gilt auch im Blick auf das Recht der sexuellen Selbstbestimmung von Athletinnen und Athleten.

Erscheinungsdatum: 10.04.2026 12:39:33

Palliativmediziner: "Robotik kann keine Nächstenliebe"

Eine Mitarbeiterin eines Hospizes hält einem Patienten die Hand. (epd-bild / Werner Krüper)
Technik könne und dürfe keine Beziehung ersetzen, sagt der Palliativmediziner Winfried Hardinghaus, der dem Deutschen Ethikrat angehört.

Bremen (epd). In der Begleitung sterbender Menschen hat Künstliche Intelligenz (KI) nach Auffassung des Palliativmediziners und Ethikexperten Winfried Hardinghaus dort ihre Grenzen, wo die Würde des Menschen verletzt wird. „Robotik kann keine Nächstenliebe“, sagte der Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes am Freitag zur Eröffnung der zweitägigen Messe „Leben und Tod“ in Bremen. Technik könne und dürfe keine Beziehung ersetzen.

Hardinghaus stellte vor Hunderten Gästen einen „Würdekompass“ vor, der seinen Worten zufolge auch bei den zunehmenden Einsätzen von KI in Sterbe- und Trauerprozessen handlungsleitend bleiben muss. „An oberster Stelle steht menschliche Beziehung“, betonte der Mediziner, der seit 2024 dem Deutschen Ethikrat angehört und am Berliner Franziskus-Krankenhaus arbeitet.

Aber auch Transparenz in der Debatte um den Einsatz digitaler Hilfsmittel, die Wahl- und Barrierefreiheit der sterbenden Menschen und die Verantwortung füreinander seien zentral: „Fortschritt muss mit Würde gestaltet werden.“

Messeleiterin: KI kann keinen Herzschlag fühlen

Digitalisierung und KI im Zusammenhang mit Leben und Tod ist das Schwerpunktthema der Messe. Zum Programm gehören rund 170 Informations-, Beratungs- und Verkaufsstände sowie mehr als 60 Vorträge und Workshops. „Die KI kann Worte generieren, aber keinen Herzschlag fühlen“, sagte auch Messeleiterin Meike Wengler: „Wir müssen achtsam bleiben in dem, was uns menschlich macht.“

Die Messe „Leben und Tod“ wolle Mut machen, sich mit dem Lebensende zu beschäftigen, bekräftigte die Messegründerin und ergänzte: „Und damit auch mit dem Leben selbst.“ Im vergangenen Jahr besuchten rund 5.300 Besucherinnen und Besucher die Messe, unter anderem haupt- und ehrenamtlich Tätige aus den Bereichen Palliative Care, Hospiz, Trauerbegleitung, Seelsorge und Bestattungskultur. In diesem Jahr ist es die 17. Messe „Leben und Tod“.

Erscheinungsdatum: 10.04.2026 08:26:54

Evangelische Kirche: Mehr Geld für Hilfe im Sudan nötig

"Es braucht eine internationale Kraftanstrengung", sagt Dagmar Pruin. (epd-bild/Hans Scherhaufer)
Aus Sicht der evangelischen Kirche tut die Staatengemeinschaft zu wenig, um den Menschen im Sudan zu helfen. Dort seien mehr als 33 Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen.

Hannover, Berlin (epd). Drei Jahre nach Kriegsbeginn im Sudan dringt die evangelische Kirche auf mehr Geld, um den Menschen in dem afrikanischen Land zu helfen. „Im Sudan sind mehr als 33 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Es braucht eine internationale Kraftanstrengung, um der derzeit größten humanitären Katastrophe wirksam zu begegnen“, sagte die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Dagmar Pruin, am Freitag. Sonst würden viele Menschen, die schon heute akut hungern, ein viertes Kriegsjahr nicht überleben.

Die evangelische Hilfsorganisation und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärten vor der für nächsten Mittwoch in Berlin geplanten Sudan-Konferenz, dass der humanitäre Hilfsplan für den Sudan im vergangenen Jahr nur zu 40 Prozent finanziert gewesen sei, knapp 2,2 Milliarden Euro hätten gefehlt. Die Aussichten blieben angesichts von Haushaltskürzungen in vielen Geberländern düster. Auch Deutschland habe seit dem vergangenen Jahr die Mittel für weltweite humanitäre Hilfe mehr als halbiert.

Bischof Stäblein: Krieg zerreißt Familien

Der Berliner Bischof Christian Stäblein, EKD-Beauftragter für Flüchtlingsfragen, sagte, fast 90 Prozent der Menschen, die vor den Gräueln des Kriegs im Sudan fliehen und den Tschad erreicht haben, seien Frauen und Kinder. Väter und junge Männer seien auf dem Weg getötet oder vom Militär rekrutiert worden, oder sie versteckten sich. „Dieser Krieg verursacht tiefe Traumata und zerrissene Familien, die sich ohne Hilfe kaum über Wasser halten können“, sagte der Theologe. Gerade in solchen Momenten brauche es umfängliche Hilfe für die Menschen auf der Flucht und für jene, die sie im Tschad aufnehmen.

Im nordostafrikanischen Sudan herrscht seit Mitte April 2023 ein verheerender Krieg, ausgetragen zwischen der Armee und der paramilitärischen RSF-Miliz. Die Kämpfe haben eine der schwerwiegendsten humanitären Katastrophen der jüngeren Vergangenheit ausgelöst. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als zwölf Millionen Menschen auf der Flucht. Zu den Aufnahmeländern zählen unter anderem der Tschad und der Südsudan.

Erscheinungsdatum: 09.04.2026 14:23:59

Papst ernennt neuen Vatikan-Vertreter in Deutschland

Apostolische Nuntiatur in Berlin (epd-bild / Andreas Schölzel)
Nach zwölf Jahren bekommt der Vatikan einen neuen obersten Diplomaten in Deutschland. Es ist der Niederländer Hubertus van Megen.

Bonn (epd). Auf den Kroaten Nikola Eterovic folgt der Niederländer Hubertus van Megen als Vatikan-Botschafter in Deutschland. Papst Leo XIV. habe am Donnerstag das Rücktrittsgesuch des 75 Jahre alten Nuntius Eterovic angenommen und den 64-jährigen van Megen zu dessen Nachfolger ernannt, teilte die katholische Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mit. Eterovic war mehr als zwölf Jahre lang der diplomatische Vertreter des Kirchenstaates in Berlin.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, würdigte Eterovics Dienst. Es sei deutlich geworden, dass dieser mancher Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland kritisch gegenüberstehe. Umso mehr wisse er zu schätzen, dass der Vatikandiplomat „bei aller verständlichen kritischen Distanz zum Synodalen Weg der Kirche in unserem Land“ diesen Weg durch seine persönliche Präsenz mit begleitet habe, erklärte Wilmer.

Van Megen kommt aus Afrika nach Deutschland

Die künftige Nuntius van Megen arbeitet seit 1994 im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. 2014 wurde er zum Erzbischof geweiht und war zunächst als Nuntius im Sudan und Eritrea tätig. 2019 ernannte ihn Papst Franziskus zum Nuntius in Kenia und im Südsudan sowie zum Ständigen Beobachter des Heiligen Stuhls bei den UN-Programmen für Umwelt (Unep) und für menschliche Siedlungen (UN-Habitat).

Erscheinungsdatum: 09.04.2026 12:41:57

Garnkunst im sakralen Raum: Fädenziehen durch das Freiburger Münster

Freiburger Münster (epd-bild/Heike Lyding)
Für eine Installation im Freiburger Münster will eine Künstlerin Tausende Meter Baumwollgarn durch den Kirchenraum spannen. Sechs Wochen lang dauert die Arbeit. An Pfingsten soll das Werk fertig sein.

Freiburg (epd). Feine Fäden ziehen sich durch das gotische Kirchenschiff: Mit tausenden Metern weißem Baumwollgarn will die Künstlerin Elke Meier eine Kunstinstallation im Freiburger Münster weben. Für ihr Werk „sichtbar. unsichtbar“ werde sie ab 13. April sechs Wochen lang Fäden spannen, teilte die Erzdiözese Freiburg am Donnerstag mit. Dies solle ein Wechselspiel aus Licht und Raum erzeugen und je nach Lichteinfall unterschiedlich wirken.

Mit Präzision und Disziplin soll das Garn etwa von der Michaelsempore im Westturm und vom Gewölbe ins Innere der Kathedrale gespannt werden. Ein Faden nach dem anderen soll den sakralen Raum zudem quer durchmessen, über das silberne Böcklin-Kreuz hinweg bis hin zum 100 Meter entfernten Hochaltar von Hans Baldung Grien. Am Pfingstmontag soll die Rauminstallation mit einer Vernissage eröffnet werden.

Garnkunst im Wien, Hannover und Bamberg

Die in Bayern geborene und in Kärnten lebende Künstlerin hat ihr Kunstprojekt schon in zahlreichen Kathedralen und Kirchen verwirklicht, unter anderem im Bamberger Dom (2024) , der evangelischen Markuskirche in Hannover (2017) und dem Stephansdom in Wien (2014). Jedes Mal sei in wochenlanger kontemplativer Präzisionsarbeit ein völlig neues Werk entstanden, hieß es.

Erscheinungsdatum: 09.04.2026 11:59:42

Papst Leo auf Afrikareise

Papst Leo (epd-bild/Vatican Media/Divisione Produzione Fotografica)
Es wird die bisher längste Reise von Leo XIV. In elf Tagen - vom 13. bis 23. April - will der Papst vier Länder besuchen: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea. In Nordafrika begibt er sich auf die Spuren des heiligen Augustinus.

Von Almut Siefert (epd)

Rom (epd). Papst Leo XIV. bricht zur bislang längsten Auslandsreise seines Pontifikats auf: Vom 13. bis 23. April will der Papst vier afrikanische Länder besuchen.

Algerien: Auf den Spuren des heiligen Augustinus (13. bis 4. April)

Die Reise nach Algerien steht ganz im Zeichen des christlich-muslimischen Dialogs. Das zeigt bereits das vom Vatikan für den Algerienaufenthalt kreierte Logo, auf dem zwei Tauben zu sehen sind, die aus demselben Kelch trinken. Die Bevölkerung Algeriens ist mehrheitlich muslimischen Glaubens, nur 0,2 Prozent sind Katholiken. Am ersten Tag steht ein Besuch der großen Moschee von Algier auf dem Plan.

Leo wird der erste Papst sein, der Algerien besucht. Für ihn hat das Land auch eine persönliche Bedeutung, es ist die Heimat des heiligen Augustinus. Der gebürtige US-Amerikaner Robert Francis Prevost gehört dem Augustinerorden an, mit 14 Jahren trat er in das Augustiner-Knabenseminar in Chicago ein. Augustinus von Hippo wurde 354 in Souk Ahras geboren und starb 430 in Hippo Regius, dem heutigen Annaba. Dort will Papst Leo in der Basilika des heiligen Augustinus einen Gottesdienst feiern.

Kamerun: Den Dialog im Krisengebiet fördern (15. bis 18. April)

Am dritten Tag der Reise geht es weiter nach Kamerun. Dort stehen drei Ziele auf dem Plan, die Hauptstadt Yaoundé, die Stadt Bamenda und die Wirtschaftsmetropole Douala. Das offizielle Motto in Kamerun lautet: „Dass alle eins seien“, das Logo zeigt eine offene Bibel unter dem Kreuz Christi.

Leo will in Kamerun Waisenhäuser und Krankenhäuser besuchen. In Yaoundé ist auch ein Treffen mit Wissenschaftlern von der Katholischen Universität von Zentralafrika organisiert. Die Lage in Kamerun ist politisch angespannt: Der 93-jährige Präsident Paul Biya regiert das Land seit Jahrzehnten autoritär.

In den englischsprachigen Regionen besteht seit zehn Jahren ein bewaffneter Konflikt zwischen separatistischen Gruppierungen und Truppen der frankophonen Regierung. Für die etwa 20 Prozent der Bevölkerung Kameruns, die dort leben, hat dieser eine schwere humanitäre Krise ausgelöst. Leo will mit einem Friedenstreffen im anglophonen Bamenda zum Dialog beitragen.

Angola: Sozialer Fokus im Entwicklungsland (18. bis 20. April)

In Angola, wo der Papst am sechsten Tag seiner Reise eintreffen wird, steht die Regierung von João Lourenço immer wieder in der Kritik. Demonstrationen und Streiks gegen den Regierungschef prägen die politische Lage, Einschränkungen der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit sind in Angola keine Seltenheit. Die Hälfte der rund 38 Millionen Einwohner des Entwicklungslandes gelten als arm, 64 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 24.

Am 19. April will Leo mit dem Helikopter nach Muxima fliegen, wo er am Marienheiligtum mit den Gläubigen den Rosenkranz beten will. Die Bevölkerung Angolas ist zu etwa 40 Prozent katholisch. Das Logo für den Besuch zeigt die Silhouette des Landes unter einer schützenden Welle Gottes.

Nach dem Abstecher nach Muxima reist der Papst am kommenden Tag in die von der Hauptstadt rund 800 Kilometer entfernte Stadt Saurimo im Osten Angolas, wo viele Binnenflüchtlinge aus der Zeit des Bürgerkriegs leben. Nach einem Besuch in einem Altenheim will Leo dort eine Messe unter freiem Himmel feiern.

Äquatorialguinea: Heimspiel zum Abschluss (21. bis 23. April)

Zum Abschluss reist Leo am 21. April nach Äquatorialguinea, wo rund 75 Prozent der etwa 1,6 Millionen Einwohner katholischen Glaubens sind. Äquatorialguinea ist das einzige Land Afrikas, in dem Spanisch gesprochen wird - quasi die zweite Muttersprache des Papstes, der rund 20 Jahre in Peru lebte, wo er als Missionar tätig war. Auf dem Logo für den Papstbesuch in Äquatorialguinea prangt die Darstellung einer Familie (Vater, Mutter, Kind) und der Ankunft der ersten Missionare vor 170 Jahren.

In dem zentralafrikanischen Staat herrscht große Armut. Die Bildung wird auch hier ein zentrales Thema des Papstbesuches darstellen: Leo wird in der Nationaluniversität einen Campus besuchen, der seinen Namen trägt, einen Tag darauf eine technische Schule in Mongomo, die nach seinem Vorgänger, Papst Franziskus, benannt ist.

Am selben Tag fliegt der Papst weiter nach Bata, wo er mit Strafgefangenen zusammenkommen will. Viele Grundrechte sind in Äquatorialguinea, das seit 1979 autoritär von Teodoro Obiang Nguema Mbasogo regiert wird, eingeschränkt.

In Malabo, das bis vor wenigen Monaten die Hauptstadt Äquatorialguineas war, wird Leo am Morgen des 23. Aprils mit einer Stadionmesse seine Afrikareise beenden. Am Abend wird das Oberhaupt der katholischen Kirche wieder in Rom erwartet.

Erscheinungsdatum: 08.04.2026 14:14:33

Papst Leo erleichtert über Waffenruhe-Vereinbarung im Iran

Leo XIV. (epd-bild/Vatican Media)
Nach einem starken Statement gegen US-Präsident Donald Trump vom Dienstagabend zeigt sich der Papst am Mittwoch in der Generalaudienz erleichtert über die aktuellen Entwicklungen.

Rom (epd). Papst Leo XIV. hat sich erleichtert über die in der Nacht vereinbarte Waffenruhe im Iran gezeigt. „Nach den jüngsten Stunden großer Spannungen im Nahen Osten und weltweit begrüße ich mit Genugtuung und als Zeichen inniger Hoffnung die Ankündigung einer sofortigen zweiwöchigen Waffenruhe“, sagte der Papst am Mittwoch während der Generalaudienz auf dem Petersplatz.

Nur durch die Wiederaufnahme von Verhandlungen könne der Krieg beendet werden, sagte Leo weiter. US-Präsident Donald Trump hatte sich in der Nacht auf Mittwoch auf einen Vorschlag pakistanischer Vermittler eingelassen. Während einer zweiwöchigen Waffenruhe im Iran will Pakistan nun Verhandlungen zwischen Teheran und Washington in die Wege leiten.

Aufruf zum Friedensgebet am 11. April

Der Papst rief am Mittwoch dazu auf, „diese Zeit der heiklen diplomatischen Bemühungen im Gebet zu begleiten“. Er formulierte auch die Hoffnung, „dass die Offenheit für den Dialog zum Instrument für die Lösung anderer Konflikte weltweit werden möge.“ Am kommenden Samstag (11. April) will Papst Leo im Petersdom eine Gebetswache für den Frieden abhalten.

Am Dienstagabend hatte der Papst die aktuellsten Drohungen von Trump gegen den Iran in einem überraschend starken Statement als „nicht akzeptabel“ bezeichnet. Trump hatte über seinen Kurzmitteilungsdienst „Truth Social“ eine weitreichende Vernichtung der iranischen Infrastruktur und die Auslöschung einer ganzen Zivilisation angekündigt, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

Dies wäre, führte Papst Leo am Dienstagabend vor seiner Residenz in Castel Gandolfo im Gespräch mit Journalisten aus, nicht nur ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Es zeige auch „Hass und den Willen zur Zerstörung“.

Erscheinungsdatum: 08.04.2026 11:58:16

Hilfswerk Missio besorgt um Christen im Libanon

Pfarrer Dirk Bingener (epd-bild /Tim Wegner)
International herrscht Erleichterung über eine angekündigte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Doch angesichts der israelischen Ansage, den Libanon außen vor zu lassen, wächst die Sorge kirchlicher Hilfswerke über dort lebende Christen.

Aachen (epd). Das katholische Hilfswerk Missio sorgt sich um Tausende Christen im Libanon. Dort stünden rund 5.000 christliche Familien vor einer humanitären Katastrophe, erklärte Missio-Präsident Dirk Bingener am Mittwoch in Aachen. Die zwischen den USA und dem Iran verhandelte 14-tägige Waffenruhe müsse auch für den Südlibanon gelten, forderte der Theologe. Er reagierte damit auf die Ankündigung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, dass die Waffenruhe nicht für den Südlibanon gelte und dort weitergekämpft werden solle.

„Nur wenn alle beteiligten Akteure zu einer befristeten Feuerpause bereit sind, kann Raum für humanitäre Hilfe, Schutz der gesamten Zivilbevölkerung und neue politische Gespräche entstehen“, erklärte Pfarrer Bingener. Wegen der bisher zerstörten Infrastruktur könne die Versorgung der Christen im Süden Libanons nur sehr schwer aufrechterhalten werden, berichteten Missio-Partner aus der Region.

Missio Aachen appelliert an die Bundesregierung und die Europäische Union, ihren diplomatischen Einfluss auf die USA, Israel und den Iran gleichermaßen zu nutzen, damit die vereinbarte Waffenruhe auch im Südlibanon durchgesetzt wird.

Bingener: Libanon bei Entwaffnung der Hisbollah unterstützen

Darüber hinaus sollten sie diplomatische Initiativen starten, um den libanesischen Staat bei der Entwaffnung der proiranischen Schiitenmiliz Hisbollah zu unterstützen. „Diese für die Sicherheit Israels und des Libanons notwendige Entwaffnung darf nicht in eine neue innere Zerreißprobe des Landes führen“, mahnte Bingener.

Notwendig sei der klare Wille, den Libanon vor einem weiteren Absturz zu bewahren. „Wer Frieden im Nahen Osten will, darf den Südlibanon nicht ausklammern.“ Die internationale Gemeinschaft müsse alles daransetzen, dass aus einer begrenzten Feuerpause ein umfassender Prozess der Deeskalation werde.

Erscheinungsdatum: 08.04.2026 09:52:23

"Du bist ein Quäker und weißt es nur nicht"

Quäker Annie Janssen, Susanne Odeh und Mike Zipser (v.l.) (epd-bild/Uta Rohrmann)
Es gibt sie noch: Die "Religiöse Gesellschaft der Freunde", auch als Quäker bekannt, ist in Deutschland sehr klein, aber engagiert. Und viel mehr Menschen fühlen sich von ihrem Lebensstil angezogen.

Von Uta Rohrmann (epd)

Weinstadt (epd). „Ich war Ausländerin, Frau und jung“, erinnert sich Susanne Odeh an ihr freiwilliges soziales Jahr in London. Damals, Mitte der 1980er-Jahre, erlebte sie ihr erstes Treffen der Quäker. Ganz unterschiedliche Menschen saßen in London im Kreis zusammen, um gemeinsam eine stille Andacht zu erleben. Hatte jemand einen inneren Eindruck, teilte er diesen mit den anderen, ohne dass darüber diskutiert wurde. Keine vorbereitete Predigt durch einen Geistlichen, stattdessen mögliche spontane persönliche Beiträge aus der Stille heraus, sogenannte „ministries“, völlig ohne Ritus.

„Es war eine volle Stille - keine tote Stille“, sagt Susanne Odeh. „Ich wurde selbstverständlich als gleichwertiger Mensch akzeptiert. Ich habe mich dort zu Hause gefühlt“, erzählt die gebürtige Hamburgerin, die evangelisch-lutherisch aufgewachsen ist.

Gemeinschaft ohne festes Bekenntnis

Die Quäker haben noch nicht einmal ein festgelegtes Glaubensbekenntnis. Aus der Überzeugung heraus, dass Gott größer ist, als sich das in menschliche Worte fassen lässt. Der Schuhmacherlehrling George Fox, der Mitte des 17. Jahrhunderts um geistliche Erneuerung rang und die „Society of Friends“ ohne kirchlich-institutionelle Bindung gemeinsam mit anderen begann, wurde dafür verfolgt. „Freunde“ nennen sich die Mitglieder der Gesellschaft in Anlehnung an das Evangelium nach Johannes, Kapitel 15. Dort bezeichnet Jesus von Nazareth seine Jünger, seine Nachfolger, als „Freunde“.

Die Quäker sind gewiss, dass jeder Mensch ein „inneres Licht“ hat, etwas von Gott. Dass eine Gemeinschaft spirituell tiefgehend sein kann, aber auch locker, dass Innerlichkeit mit praktischen Taten und öffentlichem Einsatz verbunden ist, dies faszinierte Susanne Odeh. Als Jugendliche zog sie ins baden-württembergische Remstal. „Quakers for peace“ und „Bread not bombs“ lauteten die Devisen, unter denen sie dort auf die Straße ging - zusammen mit körperbehinderten Menschen aus der Einrichtung, in der sie arbeitete.

Bundesweit rund 400 Anhänger

Die heute 62-Jährige hat in mehreren Ländern gelebt, im niederländischen Utrecht Physiotherapie studiert, einen palästinensischen Muslim geheiratet. In ihrer Wohnung in Weinstadt-Endersbach (Baden-Württemberg) plant die vierfache Mutter gerade mit zwei anderen international erfahrenen Quäkern das diesjährige Grenztreffen, bei dem sich die Freunde aus benachbarten Ländern austauschen. Die drei Planer sind drei von gerade einmal 262 Freunden, die in Deutschland als gemeinnütziger Verein organisiert sind. Hinzu kommen „Freunde der Freunde“, regelmäßige Besucher ohne formelle Mitgliedschaft, sodass es in Deutschland insgesamt rund 400 Anhänger gibt.

Die Hauptentscheidungen werden bei der „Deutschen Jahresversammlung“ getroffen, mit allen Mitgliedern in Deutschland und Österreich. Wenn Quäker etwas zu entscheiden haben, egal auf welcher Ebene, dann ist das ein spannender Prozess, der nicht demokratisch abläuft und erst recht nicht hierarchisch. Es gilt das Prinzip der Einmütigkeit. „Das Quäkerischste sind unsere Geschäftsversammlungen, die ebenfalls im Sinne einer Andacht abgehalten werden - zuerst Stille, dann wird der erste Punkt vorgestellt“, erklärt der Sonderschulpädagoge Mike Zipser. Wird trotz eingehender Prüfung kein Konsens gefunden, wird die Entscheidung vertagt.

Gott sprechen lassen

„Waiting upon the Lord“ (auf Gott den Herrn warten) - diese Haltung der Quäker hat Mike Zisper, der an theologischen Seminaren von Mennoniten und Quäkern in den USA studiert hat, fasziniert: „Wann geben wir Gott Raum, zu uns und durch uns zu sprechen?“ Mike Zipser, der zur Quäkergruppe in Kehl/Straßburg gehört, engagiert sich im Vorstand des europaweiten ökumenischen Netzwerks „Church and peace“ für Gewaltfreiheit. Um Quäker zu sein, muss man nicht unbedingt Christ sein, aber die Quäkerüberzeugungen teilen: Frieden, Einfachheit, Gemeinschaft, Wahrhaftigkeit, Gleichwürdigkeit, ökologische Gerechtigkeit.

„Da ist eine Sehnsucht, die viele Menschen teilen - sie wollen ein bedeutungsvolles Leben. Manchmal denke ich: Du bist ein Quäker und weißt es nur nicht“, sagt Annie Janssen. Die gebürtige Amerikanerin, die sich als Jugendliche vom Katholizismus abwandte und agnostisch wurde, fand nach dem Scheitern ihrer Ehe ihre endgültige spirituelle Heimat bei den Quäkern - zunächst in London, dann in München. Heute engagiert sie sich auch im weltweiten Dachverband der Quäker.

Erscheinungsdatum: 07.04.2026 14:36:08

Jahrhundert-Theologe Jürgen Moltmann vor 100 Jahren geboren

Jürgen Moltmann im Jahr 2022 (epd-bild/Fritz Stark)
Der Glaube an eine bessere und gerechtere Welt war das Lebensthema des evangelischen Theologen Jürgen Moltmann. Seine "Theologie der Hoffnung" prägte Generationen von Pfarrerinnen und Pfarrern. Am 8. April wäre er 100 Jahre alt geworden.

Tübingen (epd). Am Mittwoch (8. April) vor 100 Jahren wurde Jürgen Moltmann geboren, einer der bedeutendsten evangelischen Theologen der jüngeren Kirchengeschichte. Seine 1964 erschienene „Theologie der Hoffnung“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und hat Christen weltweit beeinflusst. Zentrales Thema von Moltmanns Denken ist schon früh die globale ökologische Krise. Er starb vor zwei Jahren, am 3. Juni 2024, in Tübingen.

Moltmann wurde durch den Zweiten Weltkrieg tief geprägt. Als junger Luftwaffenhelfer in der Alster-Flakbatterie erlebt er im Juli 1943 den Feuersturm der Bombennächte über Hamburg, bei dem ein Schulfreund neben ihm zerfetzt wird. Mit 19 Jahren gerät er in britische Kriegsgefangenschaft, wo er sich intensiv mit religiösen Fragen auseinandersetzt. Er war mit der feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel verheiratet, die 2016 starb.

Vom Pfarrer zum Professor

Moltmann wurde als Sohn einer kirchenfernen Lehrerfamilie am 8. April 1926 in Hamburg geboren und war zunächst Pfarrer in Bremen und danach Professor für Dogmengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, ehe er 1963 nach Bonn berufen wurde. Von 1967 bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte er in Tübingen. Er steht in einer Reihe mit großen theologischen Denkern wie Wolfhart Pannenberg (1928-2014), Johann Baptist Metz (1928-2019), Hans Küng (1928-2021) und Eberhard Jüngel (1934-2021).

Sein Erstlingswerk „Theologie der Hoffnung“ von 1964 galt damals als Aufbruch in der Theologie. Zwischen 1980 und 1995 legt er die Kernthemen christlicher Theologie in fünf Bänden neu aus: die Lehre von Gott, der Schöpfung, von Jesus Christus, vom Heiligen Geist (Pneumatologie) sowie der Lehre von den letzten Dingen im Leben jedes Menschen, der ganzen Welt und des Kosmos (Eschatologie).

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