Predigt am Sonntag Trinitatis, 15. Juni 2025,
über 2. Korinther 13,11-13 in der Evangelischen Stadtkirche Durlach
von Pfarrer Thomas Abraham
2. Korinther 13,11-13
11Zuletzt, Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. 12Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. 13Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Liebe Gemeinde!
Das mit der Trinität (der Glaube an den dreieinen Gott) gilt als schwieriges Thema – besonders im Gespräch mit Juden und Muslimen. Ich möchte zwei Beobachtungen an den Anfang stellen, die ich da sehr hilfreich finde.
Im Islam gibt es die „99 schönsten Namen Gottes“ (manche Muslime rezitieren die mit den 99 Perlen an ihrem Lobpreisungskranz). An erster Stelle stehen da der Gnädige und der Gnadenspender – diese beiden Namen werden (mit einer einzigen Ausnahme) am Anfang einer jeden der 114 Suren des Koran genannt: „Im Namen Gottes, des Allergnädigsten, des Gnadenspenders“. Andere Namen sind z.B. der Schöpfer, der Friede oder der Liebende. Ein Gott – aber (mindestens) 99 Namen.
Im Judentum wird der Gottesname nicht ausgesprochen. Bei seiner Gottesbegegnung am brennenden Dornbusch fragt Mose Gott nach dem Gottesnamen, den er den Israeliten nennen soll. Und Gott antwortet: „Ich werde sein, der ich sein werde“. Ein Gott – und doch immer wieder anders erlebbar.
Für Juden wie für Muslime steht fest: Es gibt nur einen Gott. Gott ist einer – aber er ist nicht einfältig. Gott begegnet und wirkt auf vielfältige Weise. Darum wird er auch mit vielen Namen genannt.
Für uns Christen sind drei Namen maßgeblich: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Aber das sind nicht 3 verschiedene Götter, die wie die Minister eines Kabinetts oder die Teamleiter in einer Firma für verschiedene Ressorts zuständig sind und womöglich über ihre Befugnisse oder die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen miteinander feilschen; es ist der eine Gott, der auf vielerlei Weise wirkt. Wir erleben ihn unterschiedlich und sprechen ihn deshalb mit drei verschiedenen Rufnamen an.
Paulus hat an das Ende seines zweiten Briefs an die Gemeinde in Korinth einen Gruß gestellt, der von diesem vielfältigen Wirken des einen Gottes spricht – er ist uns als sog. Kanzelgruß durchaus vertraut: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!
Zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth gab es etliche Spannungen und Konflikte. Am Ende des Briefes erinnert Paulus die Gemeinde und wohl auch sich selbst daran, dass der Glaube an den einen Gott sie alle miteinander verbindet – die Gemeinde in Korinth, den Apostel Paulus und alle Heiligen – alle Christen in den unterschiedlichen Gemeinden. Diese Verbundenheit hat Gott gestiftet. Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes nennt Paulus das. Es ist Gottes Werk, dass Menschen an ihn glauben. Wir verdanken es diesem Heiligen Geist, dass wir uns auf ein Leben mit Gott einlassen können. Ihm verdanken wir, dass wir uns mit den Menschen an unserer Seite verstehen können. Auch daran erinnert Paulus: Lasst euch mahnen, habt einerlei Sinnes, haltet Frieden!
Der Glaube an Gott hat Auswirkungen auf das Leben miteinander. Der Glaube soll die Umgangsformen prägen. Grüßt einander mit dem heiligen Kuss schreibt Paulus. Eure Zusammengehörigkeit soll erlebbar und auch für andere erkennbar sein. Allerdings will das Verhältnis von Nähe und Distanz gut bedacht sein – es ist auch ein Gebot der Liebe, anderen nicht näher auf die Pelle zu rücken, als das für sie gut auszuhalten ist. So ein überschwänglicher Kuss kann sehr wohl übergriffig sein – oder gesundheitsgefährdend.
Ob wir nun zu einem Übermaß an Nähe neigen oder zu sehr auf Distanz gehen: Es bleibt die Aufgabe, dass wir uns um Einmütigkeit mühen und für Frieden eintreten – sowohl im Kleinen als auch im Großen. Unser Glaube findet seinen Niederschlag in unseren Umgangsformen. Lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
Gott ist von Anfang an ein Gott in Beziehung. „Gott ist die Liebe“ heißt es im Johannesevangelium – und Liebe braucht ein Gegenüber. Gott drängt es schon immer zu den Menschen. Er hat sie „sich zum Bilde“ erschaffen. Aber es war Gott nicht genug, nur in seinem Himmel sitzen zu bleiben und dem Treiben der Menschen zuzuschauen: Zu sehen, wie die Menschen ihn mal in frommer Ergebenheit verehren, seinem Willen folgen und Gutes tun – und sich dann wieder von ihm abwenden, ihr eigenes Ding machen und sich weder um Gottes Willen noch um seine Schöpfung scheren. Da könnte man auf den Gedanken kommen, dass Gott die Lust verliert an seinen Menschenkindern.
Gott will aber die Lust an seinen Menschenkindern behalten. Er weiß das sowieso von Anfang an; aber die Menschen sollen das auch wissen. Dazu ist er Mensch geworden. Klar und deutlich hat er gezeigt, dass er seinen Menschenkindern nahe bleibt. Nichts kann ihn davon abbringen – nicht einmal die Feindschaft der Menschen. Bis ans Kreuz hält er an seiner Liebe fest. Das Kreuz auf Golgatha ist das Zeichen für den unbeugsamen Liebeswillen Gottes. Es ist die nie verstummende Einladung Gottes: Lasst euch zurecht bringen. Gott ist Mensch geworden um diese Einladung auszusprechen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus ist für uns Christen das Erkennungszeichen Gottes.
Nach dem Heiligen Geist und dem Sohn komme ich schließlich zu dem Namen, der im Glaubensbekenntnis an erster Stelle steht: Gott, der Vater im Himmel, der alles geschaffen hat: Die Erde, das Wasser, die Luft zum Atmen, das Licht, die Sonne, den Mond, die Sterne, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen. Wenn wir das alles betrachten, dann stellt sich wie von alleine ein, wozu Paulus als erstes auffordert: Freut euch. Freut euch über den Reichtum der Gaben Gottes.
Das ist der Teil unseres Glaubens, der vielleicht am anschaulichsten oder plausibelsten erscheint – trotz der Dürren und der Naturkatastrophen, die ja zum größten Teil auf das zurückzuführen sind, was wir Menschen mit der Schöpfung veranstalten: Die Schöpfung ist weise geordnet – das kann doch wohl kein Zufall sein.
Wir sagen dazu: Gott im Himmel hat die Welt erschaffen. Gottes Plan und Wille steckt hinter all dem. Alles ist wunderbar eingerichtet: Dass die Saat auf dem Feld aufgeht, dass es regnet und wir ernten können, dass Kinder geboren werden und heranwachsen und Tag für Tag Neues dazulernen; dass es all die vielen kleinen und großen Wundern des Lebens gibt. Für das alles danken wir dem allmächtigen Vater im Himmel. Das alles entspringt der Liebe Gottes. Darum freut euch über die Liebe Gottes, des himmlischen Vaters.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes – Gott wirkt vielfältig, aber es ist doch immer der eine Gott, der da wirkt alles in allem, auch wenn wir Gott mit unterschiedlichen Namen ansprechen.
