Predigt am Sonntag Judica, 22. März 2026
über Offenbarung 21, 5 (Jahreslosung 2026)
Gottesdienst mit Konfirmations-Jubiäum
in der Evangelischen Stadtkirche Durlach
von Pfarrer Thomas Abraham
Offenbarung 21, 5 Siehe, ich mache alles neu!
Liebe Gemeinde!
Lassen Sie mich einige Ereignisse nennen, die in den Jahren Ihrer Konfirmation in Karlsruhe und in der Welt geschehen sind.
1951
Die Klassenstärke in den Volksschulen liegt in Karlsruhe bei etwa 50 Kindern.
Albert Schweitzer bekommt den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Erstes Farbfernseh-Gerät in den USA
Die Neubauten der Arzneimittelfirma Dr. Willmar Schwabe in Durlach sind bezugsfertig.
In der Volksabstimmung über die Bildung des Landes Baden-Württemberg stimmt Karlsruhe mit 70 % für die Wiederherstellung des alten Landes Baden (Württemberg 92% / Nordbaden 57% für Baden-Württemberg).
1956
Bundestag verabschiedet Wehrpflicht-Gesetz, Volkskammer der DDR beschließt NVA
Bundesverfassungsgericht verbietet die KPD
Landtagswahl BaWü CDU 42,6 / SPD 28,9 / FDP 16,6%
Mitte Februar legt Treibeis auf dem Rhein die Schifffahrt lahm. Die Kältewelle führt wegen Kohlemangels zur Schließung der Schulen bis zum 5. März.
Am 1. Juli 1956 beginnt die Weltmeisterschaft im Frauenhandball in Karlsruhe.
Die Männer vom KSC unterliegen im Endspiel um die deutsche Meisterschaft in Berlin gegen Borussia Dortmund.
1961
Der Friedensnobelpreis geht an Dag Hammerskjöld
Die ersten Fälle von Kinderlähmung werden in Karlsruhe verzeichnet. Bald darauf beginnt die Polio-Schluckimpfung.
13. August 1961 Bau der Berliner Mauer
Der Wehrdienste wird (von 12) auf 18 Monate verlängert
Die Statistik verzeichnet seit Kriegsende den Neubau von 35.000 Wohnungen in Karlsruhe.
Der Gemeinderat besichtigt die vorgesehenen Trassen der Nord- und Südtangente, die das Regierungspräsidium genehmigt hat. Landrat Joseph Groß votiert gegen die Nordtangente.
1966
Nach einer grundlegenden Modernisierung wird die Durlacher Turmbergbahn mit elektrischem Betrieb wieder eröffnet.
Die neue Rheinbrücke bei Maxau wird dem Verkehr übergeben.
1976
Die Bundesbahn legt letzte Dampflokomotiven still
Ulrike Meinhof nimmt sich im Gefängnis das Leben
Ein israelisches Kommando befreit 100 Geiseln in Entebbe / Uganda
Es regen sich erste Proteste gegen die Risiken der Nutzung von Kernenergie
Eine Giftgas-Wolke entweicht aus einer Chemie-Fabrik in Seveso (Norditalien)
Die Erdbevölkerung hat sich gegenüber 1941 auf 4 Mrd verdoppelt (2026: 8,35 Mrd)
Das Pfinzgaumuseum in der Karlsburg wird eröffnet.
Am 4. April wurden 88 Jungen und Mädchen von Pfr. Böhmig hier konfirmiert
Manches kommt uns erstaunlich bekannt vor und doch hat sich vieles verändert im Lauf der Jahre – die Mauer ist gefallen, Internet und Smartphone haben Einzug gehalten, wieder steht eine Erneuerung der Turmbergbahn an. Siehe, ich mache alles neu, so könnte man da sagen. Aber damit hätten wir erst an der Oberfläche gekratzt von dem, was die Jahreslosung meint. Da geht es nicht um eine Modernisierungskampagne und nicht um die religiös verbrämte Aufforderung, doch einmal etwas Neues auszuprobieren. Siehe, ich mache alles neu – das steht in einem ganz bestimmten Zusammenhang: Der Seher Johannes hat in einer Vision vor Augen, wie Gott sich diese Welt vorstellt, wenn alles nach seinem Willen abläuft.
Gott macht sich auf den Weg und kommt auf die Erde. Dafür steht Jesus Christus: Gott wartet nicht darauf, bis wir von uns aus den Weg zu ihm finden. Gottes Nähe ist nicht davon abhängig, ob wir fest genug glauben. Gott sucht die Nähe der Menschen – in den schönen Stunden des Lebens, aber mehr noch in den dunklen und schwierigen Stunden. Grade dann, wenn Krankheit oder Trauer oder Unfriede und Gewalt das Leben überschatten, kommt Gott kommt und macht beharrlich klar, worauf unser Leben zuläuft und woraufhin wir uns ausrichten sollen: Tod, Leid, Schmerz und Gewalt behalten nicht das letzte Wort. Sie haben kein Recht, über Dich und Dein Leben zu bestimmen. Gott hat Gutes im Sinn mit Dir und mit allen Menschen. Die Tränen der Trauer werden abgewischt. Alle werden die Nähe Gottes als heilsam erfahren. Kein Volk der Erde ist davon ausgeschlossen. So will Gott das. Siehe, ich mache alles neu.
Gott will das Neue nicht um des Neuen willen – das kann ja durchaus auch nervig sein, wenn ich mich z.B. mühsam an die Software für die Steuererklärung gewöhnt habe und sie dann schon wieder geändert wird. Gott will das Neue nicht um des Neuen sondern um der Menschen willen. Gott will das Werk der Schöpfung vollenden und all das beseitigen, was Menschen quält. Die Schöpfung ist Gottes Werk – Gott will das Leben und Gott schafft Leben – immer und immer wieder neu. Auch die Vollendung der Schöpfung liegt in Gottes Hand. Aber anders als am Anfang allen Lebens nimmt Gott uns für dieses Werk der Vollendung der Schöpfung mit in Dienst. Gott stellt uns das Ziel vor Augen, damit wir uns daran ausrichten. Gott zieht uns mit auf diesen Weg hin zur vollendeten Schöpfung. Das soll die Richtung des Tuns bestimmen und Quelle unserer Hoffnung sein. Wo immer der Tod sich breit macht, stellt Gott uns auf die Seite des Lebens. Wo immer Leid oder Schmerz das Leben beschweren, ruft Gott uns auf zur Hilfe und zum Beistand. Wo immer Menschen unter Krieg und Gewalt um Hilfe schreien, sendet Gott uns als Boten des Friedens – das ist in unseren Tagen leider Gottes wieder aktueller geworden als wir uns das vor zehn Jahren noch vorgestellt haben.
Gott will nicht, dass Menschen Leid zugefügt wird – ganz gleich, zu welchem Volk sie gehören. Leben soll nicht von Trauer oder Schmerzen unterdrückt werden. Diese unglaubliche aber wahrhaft belebende Friedensbotschaft steckt in diesem Versprechen Gottes: Siehe, ich mache alles neu!
Gott ist noch nicht am Ziel mit dieser Welt. Und solange das so ist, sind wir auch noch nicht am Ziel. Aber wir sind auch nicht am Ende. Am Ende bleibt nichts, wie es ist – und das ist gut so.
Es macht einen Unterschied, wohin ich meinen Blick wende, wenn ich auf dem oft genug mühsamen Weg meines Lebens den nächsten Schritt angehe. Es verändert meinen Blick, wenn ich vor Augen habe, wie Gott sich diese Welt von Anfang an gedacht hat:
Kein Leid keine Tränen, keine Gewalt, kein Tod. Unser Weg führt ins Leben – hin zu Gott, der spricht: Siehe, ich mache alles neu!
