Predigt am Sonntag Kantate, 3. Mai 2026.
in der Evangelischen Stadtkirche Durlach
(Gottesdienst mit Konfirmation)
von Pfarrerin Susanne Erlecke
Liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen,
(liebe Gemeinde,)
ihr wisst schon, dass ihr das Prinzip vom beruflichen Aufstieg bei eurem Einstieg hier auf den Kopf gestellt habt? Oder? Nichts bleibt, wie es war, wo ihr auftaucht. Nein so schlimm oder gut ist es noch nicht. Ich finde es angebracht, wenn man merkt, dass ihr da seid!
Normalerweise bekommen berühmte Schauspieler, Regisseure, Musiker ihren Stern erst am Ende ihrer Karriere oder auf dem Höhepunkt derer als Zeichen der Anerkennung werden sie auf dem Hollywood Boulevard platziert. Bei euch ist das anders. Ihr habt ihn am Beginn eurer Konfizeit bekommen. Der Zeitpunkt geht klar. Die Konfizeit ist eine besondere Zeit. Also habt ihr ihn zur rechten Zeit erhalten. Bleibt nur die Frage: Wofür habt ihr ihn bekommen?
Nun einfach dafür, dass ihr da seid, weil jeder und jede in Gottes Augen etwas Besonderes schon ist. Egal welche Noten einer in der Schule hat, egal wie erfolgreich einer fechtet, Basketball, Fußball oder Tennis spielt, reitet, Artikel und Gedichte schreibt, egal wie schön jemand musiziert oder einfach auch mal faulenzen kann. Bei Gott, so konntet ihr anhand mancher Geschichte aus der Bibel erfahren, gelten andere Maßstäbe. Da gilt der Mensch als Mensch, so wie er ist, wie er sein könnte oder vielleicht auch manchmal noch werden müsste.
Ihr habt euch also nur dem Ort angepasst. Ihr habt die Maßstäbe Gottes einfach ernstgenommen. Denn bei Gott bist du wer, egal was du getan oder nicht getan hast. Anerkennung als Vorschuss.
Das gibt es nicht oft. In unserer Gesellschaft eher nicht, obwohl das System doch so viel besser und ermutigender ist. Es spornt doch an, nachzudenken, warum das in unserem Alltag nicht so üblich ist. Und ob wir als Christen für den Unterschied nicht unseren Beitrag dazu leisten könnten, damit es so wird. Die „Verleihung“ ist also mehr als gerechtfertigt, denn Gott sieht unser Potential, aus dem wir was machen können, wenn wir denn wollen. Das ist die Freiheit, die er uns schenkt. Wir können uns entscheiden.
Euer Stern leuchtet von Beginn auf eurem Walk of Fame hier in der Stadtkirche Durlach, denn dieses Haus Gottes mit seinen Nachbargebäuden ist ein zentraler Ort im Laufe des letzten ¾ Jahres für euch geworden. Nächte habt ihr hier und im dunklen Schwarzwald verbracht. Auf eurem Stern erzählt ihr von euren Zielen, Träumen, was euch wichtig ist, was ihr werden wollt, scherzhaft und doch auch ganz tiefgehendes habt ihr im Vorstellungsgottesdienst benannt. Sei es, dass ihr eine Cocktailbar auf den Cookinseln eröffnen oder nach Schweden auswandern wollt. Sei es, dass ihr euer Leben glücklich und froh genießen möchtet, einen guten Job ausüben wollt und anderen Menschen helfen, ja die Welt ein wenig verbessern wollt. Jeder Weg beginnt mit einer Idee, mit der Vorstellung, was sein könnte, was und wohin ich will und vielleicht auch mit wem. Sicher meine Wünsche werden durch mein Umfeld, durch meine Begabungen und Interessen beeinflusst, aber letztlich bin ich selbst verantwortlich, wofür ich mich öffne. In knapp einer Stunde geht ihr anders hier aus der Kirche raus, als ihr durch die Tür da hinten hereingekommen seid. Ihr geht als KONFIRMIERTE Jugendliche hinaus in diese Welt. Hinter dieser Tür eröffnen sich für euch zahlreiche Wege. Wege ganz unterschiedlicher Art. Ab morgen stellt sich die Frage: Konfirmiert und weg! Oder konfirmiert und auf dem Weg?
3 Buchstaben: „w“- „e“- „g“.
Je nach dem wie ich sie betone, ausspreche, sind sie das Ende oder der Anfang von etwas.
Entweder bedeutet es: Überstanden, vorbei und weg, abgehakt und gut ist es! Oder: Es ist geschafft, ein Anfang ist gemacht. Ich bin ermutigt, mehr daraus zu machen, mich auf den Weg zu machen. Ich bin gestärkt mit der Zusage Gottes und Ideen für diese Welt, für meine Welt heute, hier und morgen. Ich habe die Zusagen, die weiterbringen, die einen stützen und unterstützen, für mich wahrgenommen. Dass ich persönlich zur 2. Betonung tendiere ist wahrscheinlich verständlich. Denn die eigene Lebenszeit nur irgendwo abzusitzen, um heute schön zu essen oder weil ich jemand anderes einen Gefallen tun will, wäre mir persönlich zu wenig. Und euch doch auch: Eure Auswahl der Segenssprüche zeugt davon, dass ihr euch dazu Gedanken gemacht habt. Gottes Zusage gilt, nun kommt es auf euch in aller Freiheit an, was ihr daraus macht, was ihr für euch annehmt und umsetzt.
Von daher soll es einen kleinen Rück- oder Einblick geben auf das, was auf unserem bisherigen gemeinsamen Weg war und einen Ausblick auf den Weg, der vor euch liegt. Auf den Weg gemacht haben wir uns gemeinsam, ein paar Themen haben wir uns ein wenig angesehen, angedacht, überdacht, die üblichen Themen eben, aber auch aktiv habt ihr Müll gesammelt. Wahrscheinlich habt ihr jetzt einen Späherblick entwickelt, wo Kippen achtlos weggeworfen werden. Der große Käfig – aus über 500 Einzelkäfigen – ließ uns in der Stadtkirche Karlsruhe über Geborgenheit, Schutz und Freiheit nachdenken. Aber am wichtigsten ist wohl ihr habt euch untereinander kennengelernt und ihr habt Freundschaften geschlossen, seid neue Wege gegangen.
Wege sind vielschichtig. Es gibt so viel verschiedene Wege, die wir gehen können. Jeder ist anders, von seiner Beschaffenheit, von seiner Anforderung an mich, von seiner Ausrichtung. Aber nicht alle Wege „führen gewissermaßen nach Rom, Jerusalem oder so. Sie sind einfach nicht die richtigen für einen.
In der Bibel sind die Menschen ständig unterwegs, meist zu Fuß oder per Esel, Kutsche oder als Fischer mit dem Boot. Viel mehr gab es noch nicht und so war deren Radius kleiner als unserer.
Konfirmation ist ein Zwischenziel auf eurer Entwicklungsreise als Mensch bzw. auf dem Weg des Glaubens.
Auf verschiedensten Wegen seid ihr unterwegs. Jeder Weg hat also sein Spezifikum: Zzum einen das Ziel, aber vor allem gibt es verschiedene Untergründe, Herausforderungen bei jedem Weg. Diese will ich ein wenig ins Verhältnis zu eurem Glauben setzen. Und manches Mal braucht es auch ein bestimmtes Fortbewegungsmittel, um von A nach B zu gelangen. Um Strecke zu machen, um Unterschiedliches zu erleben/ kennenzulernen. Die weite Welt zu entdecken. Und das lohnt sich.
Ich habe einige Fortbewegungsmittel mitgebracht anhand derer ich euren Weg im Blick auf euren Glaubensweg ein wenig illustrieren will. Ein bisschen Phantasie und Übertragungsfähigkeit erwarte ich jetzt von euch natürlich, wie das ganze Jahr über schon. Denn die Bobbycarphase – liegt hinter euch.
Als Kind stürmt man unbedarft los, die Eltern, die kaum hinterher kommen, im Schlepptau. Da düst man mit seinem Bobbycar oder heute Laufrad los. Unbeschwert und ohne Angst fährt man auf den Wegen. Es gilt die Welt zu entdecken, die kleine beschauliche Umgebung zu erfahren. Auf diesen Wegen zum Kindergarten, zur Grundschule – manchmal auch zur weiterführenden Schule wird man von seinen Eltern begleitet, geführt – später sind Eltern wohl eher als TaxifahrerInnen dabei. Eure Eltern und Paten, Großeltern, Menschen, die euch in diesen Jahren begleiten, haben den Grundstein dafür gelegt, dass ihr euch heute hier befindet. Sie haben euch vielleicht aus der Kinderbibel vorgelesen, mit euch gebetet oder sind mit euch zum Krippenspiel gekommen. Kindlich, vielleicht auch manchmal ein wenig naiv kommen wir da mit dem Christentum in Berührung. Angemessen, kindgemäß eben. Denn es geht um die Schaffung eines Urvertrauens auf unserem Lebensweg. Dieser Weg ist wie ein Waldweg. Meine Füße gehen über soften Boden. Die Eltern räumen alles aus dem Weg und ich kann weich landen. Vertrauen macht es möglich, dass ich mich traue, meinen Weg zu suchen und zu gehen.Wer sich geborgen weiß, der kann auch etwas wagen. Das gilt zu jeglicher Zeit im Leben.
Danach kam die Rollerphase und die ist wieder aktuell.Hier steht einer. Heute muss man nicht mehr viel tun, um damit zu fahren. Meiner war schwer, mit breiten aufblasbaren Gummireifen, das Gestell aus Eisenrohren und mit einer Klapptretbremse hinten versehen, also nicht so modern wie heute und keineswegs so schnell, aber so flott wie ich konnte und wollte. Im Weg stand er allerdings nie. Nur mit Eigenantrieb ließ er sich bewegen. Wichtig war, das Gleichgewicht zu halten. Ich wünsche euch, dass ihr die KONFIzeit wie so eine Rollerfahrt seht. Sie hat euch an vielen Themen vorbeirollen lassen. Ihr ward quasi auf einem Weg mit Geländer unterwegs. Vieles haben wir gestreift, um euch sensibel zu machen für die Schöpfung, unsere Umwelt, für Gerechtigkeit und Teilhabe. Ich wünsche euch, dass ihr nun selbstständig und aus eigenem Antrieb mit anderen darüber diskutiert, was gerecht und ungerecht ist oder wie wir unsere Umwelt bewahren können. Und miteinander euch dann starkmacht, diesen Weg zu beschreiten. Vor allem aber wünsche ich euch, dass ihr euer inneres Gleichgewicht, euer Zutrauen zu euch selbst, immer wieder im Vertrauen auf Gott ausrichten könnt. Lasst euch nichts von TikTok oder anderen Kanälen einreden, was, wie oder wer ihr zu sein habt. Seid einfach ihr selbst, liebt euch selbst. Das ist das größte „Like“, das ihr euch selbst geben könnt. Und es schenkt euch Unabhängigkeit.
Mit dem Fahrrad sind von euch nur manche unterwegs. Mir ist das unerklärlich, warum ihr als Kinder dieser Stadt von Drais lieber zu Fuß geht. Zu Fuß brauche ich doch viel länger, um anzukommen. Aber einen Vorteil hat es: es könnte mir ermöglichen, mein Umfeld, meine Mitmenschen zu sehen, wenn da nicht das kleine Ding mein ständiger Begleiter wäre. Also ich wünsche euch, dass ihr auf den Straßen hier und anderswo, ein wenig Askese übt und dafür ein reichhaltiges Sehen und Spüren dafür entwickelt, wo ihr gerade seid. Auf der Freizeit habt ihr bewiesen, dass ihr es könnt und gar nicht weh tut. Seine Mitmenschen wahrnehmen und nicht einfach vorbeizugehen wie der Levit oder Tempeldiener, sondern sich um den anderen sorgen, der es braucht, wie der barmherzige Samariter, dazu rufen die Geschichten der Bibel auf.
Dieser Campingbus – steht für Abenteuer. Im Studium in den USA hatte ich für ein paar Monate einen T2 – Kenner wissen, warum das immer noch mein Traum ist, wieder mit so einem durch die Gegend zu fahren. Gut, die 45 PS machten es schwer so manchen Hügel zu bewältigen. In Alabama mussten wir mehrfach Anlauf nehmen, um hoch zu kommen. Ja, manchmal gelingt einem etwas erst im 2. oder 3. Anlauf – na und. Schlimm ist das nicht, ganz im Gegenteil. Die Zeit dazwischen kann ich nutzen, genau hinzuschauen, mich austauschen mit anderen, um herauszufinden, wohin mein Weg führt, was ich zum Leben wirklich brauche oder ob ich womöglich mein Leben auf Kosten anderer gestalte. Ich wünsche euch, den Weitblick und die Geduld mit anderen Meinungen, anderen Glaubenseinstellungen umgehen zu lernen.
Es ist euer gutes Recht alles zu hinterfragen. Es ist euer gutes Recht, euch immer wieder neu auszurichten. Wo das mit Respekt gegenüber dem anderen geschieht, kommen wir weiter. Denn nur weil jemand laut ist, er oder sie Einfluss hat in der Clique, in der Gesellschaft, ist dessen Meinung nicht ausschlaggebend oder gar richtig. Es braucht manchmal Ausdauer, um etwas zu analysieren, zu durchdenken und zu schaffen. Es braucht Geduld und Freunde, die einen anfeuern. Es braucht Menschen, mit denen ich mich unterhalten kann, meinen Glauben teilen kann, um zu sehen, wohin mich Gott führen will. Gemeinschaft findet ihr hier in der Kirche nicht nur sonntags. Es braucht das Gespräch mit Gott. Findet weiter heraus, was es mit dem Glauben auf sich hat. Die Konfizeit ist nur ein Schritt auf dem Weg zu mehr.
Dann habe ich hier noch ein Flugzeug. Ökologisch halb wertvoll, ich weiß, aber es steht für den Blick über den Tellerrand. Ihr seid nämlich Teil einer weltweiten Christenheit. Es geht um ein Bekenntnis in dieser Welt. „Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht.“ Wir übernehmen oft Überzeugungen, Verhaltensweisen und Traditionen, ohne sie jemals selbst geprüft zu haben. Aber echte Werte sind kein Erbgut, das man passiv empfängt. Sie entstehen erst durch eine bewusste BeWERTung. Unsere Werte von Freiheit, Menschenwürde und Demokratie sind kostbar. Aber oft schätzen wir sie erst, wenn diese gefährdet sind. Was also ist der Kernsatz christlicher Botschaft? „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ Dieses Gebot hat Folgen. Es geht um Menschenwürde und Tierwohl, es geht um die gesamte Schöpfung hier und anderswo. Meine Entscheidungen haben direkten Einfluss auf andere. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Glauben hat Folgen.
Als Christ kann ich nicht schweigen, wo etwas im Argen liegt, wo der Weg für andere holprig, steinig gar unbegehbar wird, weil einige das Recht beugen. Dieses Kapitel unserer Geschichte darf sich nicht wiederholen. Wie das geht, können wir von anderen innerhalb der weltweiten Christenheit lernen. Unsere Partnerkirche in den USA, die United Church of Christ setzt sich intensiv mit diversen Videobotschaften für Demokratie und Gerechtigkeit, gegen Korruption, ICE und Abschiebungen ein und mahnt, dass kein Staatsmann sich als göttlich Gesandter verstehen darf. Als Christen können wir nicht schweigen, wenn die Würde des Menschen missachtet wird.
Mir macht das Mut, auch hier meinen Mund aufzutun für die Schwachen, für die, die zu leise sind, die gemobbt werden. Schwache, Menschen, die meine Unterstützung brauchen, die gibt es überall, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Und ich selbst bin einer von ihnen dann und wann. Ich hoffe, dass andere mir dann beistehen.
Dass sich was ändert, das glaube und hoffe ich, weil ihr da seid. Unrecht kann nicht bestehen bleiben, wo wir uns in den Weg stellen, wo wir es benennen. Das bringt nicht immer gleich viele likes – na und – aber es lohnt sich, sein Banner hochzuhalten, so wie der kleine Kerl auf unserem Liedblatt. Manchmal gilt es gegen den Strom zu schwimmen. Jesus tat das. Ich wünsche euch, dass ihr ohne Scheu euch für andere einsetzen könnt, weil ihr euch getragen wisst auf eurem Lebensweg von Gott, der euren Fuß nicht gleiten lässt.
Dann habe ich hier noch ein Schiff. Heute gibt es zur Orientierung Navigationsgerät. Früher orientierten sich die Seeleute an den Sternen. Auf euren Sternen stehen eure Wünsche, Hoffnungen, Träume. Träume sind nicht Schäume, sondern ein gutes Ziel. Egal was andere sagen: Haltet an euren Träumen fest. Denn manche Mal wird etwas total Abwegiges real.
Im Studium in den USA habe ich ein Seminar zur Theologie des Bürgerrechtler Martin Luther King, Jr. besucht. Er äußerte in seiner Rede auf dem Marsch nach Washington 1963 den Traum davon, dass eines Tages die Kinder von ehemaligen Sklaven und Sklavenhaltern an einem Tisch der Brüderlichkeit sitzen werden. Und dass seine Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“
Davon sind wir weit entfernt –immer noch und doch, es braucht diese Visionen von einer besseren Zukunft für alle Menschen. Träume braucht es, damit sich etwas bewegt, damit wir uns bewegen und zwar aufeinander zu, friedlich und mit dem Wunsch nach Freiheit für alle. Frieden existiert nicht ohne Freiheit, auch wenn die Herren in Moskau und Washington D.C. anderes behaupten mögen. Ich wünsche euch den klaren Blick für das Ziel auf eurem Weg.
Ich wünsche euch den Mut, zu euren christlichen Werten zu stehen, und euch nicht davon abbringen zu lassen, auch wenn andere ihre Macht spielen lassen.
Immer wieder werdet ihr an Wegkreuzungen stehen, an denen ihr euch entscheiden müsst. Gehe ich links oder rechts, geradeaus oder gar zurück auf Anfang. Das ist nicht leicht. Und mancher Weg wird sich als Sackgasse, als finsteres Tal oder gar als Irrweg herausstellen.
Aber entscheidend ist doch dann nur, dass ich den Mut und Optimismus nicht verliere, weil ich weiß, ich bin nicht allein unterwegs. Andere gehen mit mir mit. Gott geht mit mir mit. Und dabei ist es gar nicht abwegig, einfach einen Umweg zu gehen. Umwege sind zwar beschwerlich, aber eröffnen mir einen anderen Horizont. Sie machen Sinn. In den Alpen führen die Straßen auch nicht senkrecht einfach nach oben, sondern verlaufen in Serpentinen zum Gipfel. Zum Einen sicher, um ein Abrutschen zu minimieren und zum anderen weil es weniger anstrengend ist. Gleichzeitig eröffnet sich mir aber beim Hochfahren ein Blick zu mehreren Seiten. Mal nach links, mal nach rechts, mal nach oben oder unten. Immer wieder sich neu zu orientieren, neue Blickwinkel zuzulassen, andere Meinungen sich anzuhören, sich selbst zu reflektieren und nicht zu wichtig zu nehmen, ist hilfreich. Wagt den Blick in alle Richtungen, aber richtet euch aus.
Das ist wie, wenn wir eine Erzählung aus der Bibel mit anderen lesen, dann bringt jeder seine Gedanken ein. Ganz unterschiedliche Interpretationen des einen Textes treffen da aufeinander. Wo ich es zulasse, kann es mein Denken erweitern. Deshalb kommen markante Texte der Bibel auch alle 6 Jahre wieder als Predigttext dran… nicht weil der Pfarrer, die Pfarrerin dann eine alte herausnehmen könnte, sondern weil es immer wieder einen anderen Kontext zu entdecken gibt, in dem ich Gottes Worte höre und verstehe. Ich wünsche euch, dass ihr euch die Zeit und Muse nehmt, dann und wann eine Geschichte, einen Vers in eurer Bibel zu lesen und ihn mit anderen zu besprechen. Und so die Tiefe des eigenen Glaubens entdeckt.
Ihr seid auf dem Weg und einer sagt, er ist der Weg. Jesus sagt von sich: „Ich bin der Weg.“
Dieser Weg hat bestimmte Eigenschaften, ist markiert mit dem, wofür Jesus eintritt. Nämlich für die Wahrheit und das Leben. D.h. ich muss auf meinem Weg genau hinschauen, was real ist und was mir vorgegaukelt wird.
Jesus stellte sich vor als Tür, die uns Wege eröffnet:
- als Licht, das den Weg erhellt.
- als Hirte, der um uns ist und uns schützt,
- als Weinstock, der uns zu Größerem anregt, Früchte bringen lässt,
- als Auferstehung – die uns hoffen lässt,
- als das Leben, das er uns schenkt, in seinen Händen hält,
- als Brot, das uns nährt.
Das sind Perspektiven, Worte, die ermutigen können den, der sie hört und für sich bewahrt. Ich wünsche euch Gottes Segen für euren Weg,
Amen.
– Es gilt das gesprochene Wort.
United Church of Christ
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