Predigt am Sonntag Trinitatis, 31. Mai 2026.

in der Evangelischen Stadtkirche Durlach

von Pfarrerin Susanne Erlecke

Liebe Gemeinde,
„24Der Herr segne dich und behüte dich; 25der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen“

Falsche Stelle im Gottesdienst? Der Segen kommt doch immer am Schluss des Gottesdienstes. Sollte der Herr den Seinen – also Ihnen – etwa schon alles im Schlaf gegeben haben, der Kirchenschlaf soll ja der Beste sein, wie es im Psalm 127 heißt. Nein, Sie haben nichts verschlafen – und wenn,  dann wäre es genau der richtige Zeitpunkt gewesen, um aufzuwachen und den Segen Gottes für sein Leben, für die nächste Woche zu hören und mitzunehmen.
Also doch erst nochmal auf Anfang.

Liebe Gemeinde,
heute am ersten Sonntag nach Pfingsten feiern wir… Nein, heute am ersten Sonntag nach Pfingsten ist oder begehen wir den Sonntag Trinitatis. Die Festzeit ist vorbei.
Es beginnt die Zeit ohne große Festtage im Jahr, bis zu 24 Wochen kann diese Zeit im Jahr dauern. Die große Entwicklung, die von Weihnachten aus den Bogen über Karfreitag, Ostern und Pfingsten sich spannt, geht zu Ende. Von nun an wird gezählt, 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Sonntag nach Trinitatis, 3. Sonntag nach Trinitatis usw. Trinitatis, das bedeutet auf Deutsch: „Dreieinigkeit oder auch Dreifaltigkeit“.

Die Lehre von der Trinität ist von ihrem Ursprung her nicht biblisch. Aber sie lässt sich von der Bibel her begründen. Dass Vater, Sohn und Heiliger Geist drei Personen der einen Gottheit sind, wird in der Bibel nirgends gesagt. Jedoch lassen sich Passagen aus der Bibel, die von Jesus und dem Heiligen Geist erzählen, auf diese Weise systematisch zusammenfassen. Die Diskussion um die Trinität begann bereits im 4. Jahrhundert nach Christus und ist geprägt von verschiedenen Lehrmeinungen, was die Bibelstellen über Gott, Jesus und den Heiligen Geist bedeuten. (Konzil von Nicäa 325 bzw. Konzil von Konstantinopel 381 n. Chr.) Erst seit dem 14. Jahrhundert ist der Sonntag Trinitatis fester Bestandteil des Kirchenjahres.

Das Wort Trinität-Dreieinigkeit versucht, das scheinbar Unmögliche auszudrücken, nämlich dass Gott gleichzeitig drei und einer ist. Gott hat drei verschiedene und doch zusammengehörende Seinsweisen.
Die Lehre von der Dreieinigkeit ist die Erklärung des Monotheismus. Um das zu verstehen, hilft es, sich vor Augen zu führen, wie Menschen Gott in der Geschichte erfahren haben.

Gott der Vater:
Er ist der Schöpfer,
der die Welt und die Menschen liebt, wie ein guter Vater,
der die Welt, die Natur und alle Menschen erschaffen hat.
Paul Gerhardt, der große Liederdichter des 17. Jahrhunderts dessen Todesjahr sich zum 350. Mal jährt hat es in Worte gefasst: „Geh aus mein Herz und suche Freud, an Gottes Gaben – ja des großen Gottes großes Tun“ (EG 503, V.1+8)
so haben wir es gerade gesungen.
Gott der Sohn (Jesus Christus):
Er ist als Mensch auf die Erde gekommen,
um den Menschen ganz nah zu sein und ihnen von Gott zu erzählen.
Er ist als Mensch auf die Erde gekommen,
„Ja, eines Tages kam einer, der hatte eine Klarheit in seiner Stimme, eine Wärme in seinen Worten, eine Kraft in seiner Botschaft.“ ( NL 35,1)
Der Heilige Geist:
Er ist wie eine unsichtbare Kraft, ein Tröster oder ein guter Freund,
der den Menschen Mut macht und sie im Leben beschützt.
„Atme in uns Heiliger Geist, brenne in uns, wirke in uns.“ (NL 105,1)
Und werden es gleich singen.
Der Gott der Christen, unser Gott, ist ein Gott der Beziehung. Gott kann und will nicht für sich sein. Er will uns nahe sein. Die Dreieinigkeit ist ein Ausdruck dafür. An der Trinitätslehre scheiden sich allerdings die Dialoge mit dem Islam. 3 Personen und doch ein Gott, wie soll das gehen? Eine Irrlehre?
Um dieses Geheimnis besser zu verstehen, helfen vielleicht Bilder aus dem Alltag. Was kindgemäß erklärt werden kann, hilft vielleicht auch uns Erwachsenen, wenn es auch ein bisschen hergeholt sein mag. Nehmen wir einen Apfel: Er besteht aus Schale, Fruchtfleisch und Kernen, es sind drei unterschiedliche Teile, die aber zusammen einen einzigen Apfel bilden. Oder Wasser, es gibt es als Eis, flüssiges Wasser oder Dampf. Es bleibt immer dasselbe Wasser, zeigt sich aber in verschiedenen Formen.
Was hat das nun mit dem Predigttext für heute zu tun?
Hören wir die Stelle im Kontext aus dem 4. Buch Mose im 6. Kapitel:
22Und der Herr redete mit Mose und sprach:
23Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich:
So sollt ihr sagen zu den Israeliten,
wenn ihr sie segnet:
24Der Herr segne dich und behüte dich; 
25der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig; 
26der Herr hebe sein Angesicht über dich
und gebe dir Frieden. 
27So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen,
dass ich sie segne“

Dieser sogenannte aaronitische Segen ist nicht einfach ein liturgischer Schlusssatz am Ende des Gottesdienstes, sondern wie eine theologische Schatztruhe, die man Stück für Stück entdecken kann.

In vier Punkten möchte ich das erläutern:

1. Der Segen ist ein Geschenk Gottes
Der Aaronitische Segen ist keine menschliche Erfindung. Gott selbst gibt Mose die Worte und den Auftrag: „So sollt ihr meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich will sie segnen.“as ist entscheidend: Segen ist nicht in erster Linie ein Wunsch, sondern eine Zusage. Er kommt von Gott – und er wirkt, weil Gott ihn wirken lässt.

  • „Der Herr segne dich“
    – Gott schenkt dir Gutes, nicht weil du es verdient hast, sondern weil er dich liebt,
    weil du Teil seiner Schöpfung bist.
  • „…und behüte dich“
    – Gott stellt sich schützend vor dich,
    auch wenn du es nicht immer spürst.

2. Der Zusammenhang zu Trinitatis: Gott tritt in Beziehung
Am heutigen Sonntag Trinitatis „feiern“ wir, und jetzt ganz bewusst, „feiern“ wir, dass Gott nicht fern und unnahbar ist, sondern in Beziehung lebt: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Der Segen spiegelt diese Dreieinigkeit wider:

  • Der Vater, der uns segnet und behütet.
  • Der Sohn, dessen Angesicht uns freundlich anstrahlt
    – in ihm sehen wir Gottes Liebe in menschlicher Gestalt.
  • Der Heilige Geist, der uns Frieden schenkt und in uns wirkt.

So ist der Segen ein dreifacher Zuspruch und doch ein einziger Strom der Gnade.

3. Der Segen ist mehr, er ist ein Auftrag
Segen empfangen heißt eben auch: Segen weiterzugeben. Wir leben in einer Welt, in der Worte oft verletzen. Umso wichtiger ist es, dass wir Worte sprechen, die heilen. Gottes Heiliger Geist schenkt uns eine kreative Schaffenskraft, Energie, Mut, Lebensmut, um diese Welt zu erhalten bzw. gar zum Besseren zu gestalten. Möglich wird das durch seinen Segen, durch seine Begleitung. Und es sind nicht nur die großen Weltgeschehnisse, die sich verändern können durch unser Zutun. Der Frieden beginnt in mir drin. Eigene Zufriedenheit ermöglicht einen Frieden, der weiterreicht, der alle Grenzen überwindet. Weil ich eben nicht mehr nach mehr und mehr strebe und andere übergehe.
Der Frieden Gottes bewirkt Frieden. Auch wenn er vielleicht klein beginnt, aber wenigstens beginnt er hier und da schon jetzt. Und ja, die Umsetzung dieses Auftrags, die Weitergabe dieses Geschenkes Gottes ist so simpel.
Es ist so einfach – mitten im Alltag – nachher beim Hinausgehen und schon jetzt hier in der Kirche möglich.

  • Ein freundlicher Blick im Alltag macht mein Leben doch schon heiterer.
  • Ein ehrliches „Ich bete für dich“, berührt mich und schenkt mir so Kraft, wo ich es gar nicht erwarte.
  • Ein bewusstes Segnen der Menschen,
    die uns begegnen – auch still im Herzen,
    lässt mich meinen Tag anders erleben.

Ich bin davon überzeugt, wo Gottes Name authentisch ausgesprochen wird, da verändert sich Atmosphäre. Frömmelei ist allerdings fehl am Platz.

4. Der Name Gottes kommt auf uns
Gott sagt: „So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen.“ Das bedeutet: Wir tragen Gottes Handschrift auf unserem Leben. Wir sind nicht namenlos, nicht zufällig hier. Wir gehören zu ihm – und das ist unsere tiefste Identität. Und das bedeutet, wir leben unter seinem Segen.

Liebe Gemeinde,
wenn wir heute aus diesem Gottesdienst gehen, dann gehen wir nicht allein. Wir gehen unter dem Zuspruch des dreieinigen Gottes:

  • Der Vater segnet dich und behütet dich.
  • Der Sohn sieht dich mit Liebe an.
  • Der Heilige Geist erfüllt dich mit Frieden.

Möge dieser Segen nicht nur am Ende des Gottesdienstes stehen, sondern am Anfang jeder neuen Woche, jedes neuen Tages und sich auf uns und unsere Mitmenschen auswirken. Amen.

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