Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juli 2024,
über Epheser 5,8b-14 in der Evangelischen Stadtkirche Durlach

von Pfarrer Thomas Abraham

Epheser 5,8b-14
8nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; 9die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13Das alles aber wird offenbar, wenn’s vom Licht aufgedeckt wird; 14denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.


 

Liebe Gemeinde!
„Ihr seid das Licht der Welt – lasst euer Licht leuchten“. Das sagt Jesus am Anfang der Bergpredigt (nach den Seligpreisungen) zu den Leuten, die ihm zuhören. Das ist das Programm für alle, die zu ihm gehören: „Ihr seid das Licht der Welt – lasst euer Licht leuchten“ (Matthäus 6,13-16). Seid erkennbar. Seid sichtbar. Seid leuchtende Vorbilder – so könnte man das vielleicht umschreiben.

Aber sind wir als Christen automatisch solche Leuchten? Und geht es nur darum, sichtbar und erkennbar zu sein? uns auf den Präsentierteller zu setzen mit einem Kirchenstand auf dem Altstadtfest? Schaukasten und Homepage aktuell zu halten oder regelmäßig etwas zu posten?

Bei den drei Versen aus der Bergpredigt – dem Evangelium für diesen Sonntag – könnte man diesen Eindruck bekommen. Die Epistel ergänzt das gut. Ich lese vier Verse aus Epheser 5:
Ihr seid jetzt Licht, denn ihr gehört zum Herrn.
Führt also euer Leben wie Kinder des Lichts!
Das Licht bringt als Ertrag
lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.
Prüft also bei allem, was ihr tut,
ob es dem Herrn gefällt!
Und beteiligt euch nicht an Taten,
die der Finsternis entstammen und fruchtlos sind.
Deckt vielmehr solche Taten auf!

Drei Aufgaben sind hier genannt: Führt, prüft und deckt auf.

1) Führt Euer Leben als Kinder des Lichts
Erste Aufgabe: Führt also euer Leben wie Kinder des Lichts! Gestaltet Euer Leben so, wie es dem von Gott geschenkten Licht entspricht. Das ist eben kein Automatismus im Sinne von „Glaube an Gott und dann wird von alleine alles gut“. Das Leben bleibt ein Gestaltungsauftrag. Es ist unsere Aufgabe, das was wir tun und wie wir leben, in Einklang zu bringen mit dem, woran wir glauben. „Wetteifert miteinander im Tun guter Werke“ (Sura 5/48). Das klingt so gar nicht nach Martin Luther, steht ja auch im Koran, gilt aber „trotzdem“ auch für evangelische Christen: Die beste Werbung für den Glauben und für Gott ist es, wenn wir so leben, wie Gott sich das für die Menschen gedacht hat. Führt also euer Leben wie Kinder des Lichts!

Da geht es nicht um unser Ansehen bei Gott. Der macht seine Zuneigung nicht davon abhängig, wie gelungen oder wie fehlerhaft wir unser Leben gestalten. Aber wir schaden dem Ansehen Gottes in der Welt, wenn so leben, als ginge es nur um uns selbst.

2) Prüft, ob Euer Tun Gott gefällt …
Damit komme ich zur zweiten Aufgabe: Prüft bei allem, was ihr tut, ob es dem Herrn gefällt! Unser eigenes Urteil ist gefragt, unsere eigene Entscheidung. Dazu hat Gott uns unseren Verstand gegeben – auch wenn wir mit dem manchmal an unsere Grenzen kommen (und ja auch nicht immer das tun, was unser Verstand für gut befunden hat). Und Gott hat uns in der Bibel etliche recht klare Hinweise gegeben. Drei davon sind hier genannt: Das Licht bringt als Ertrag lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft also bei allem, was ihr tut, ob es dem Herrn gefällt!

2a) … am Maßstab der Wahrheit, …
Wahrheit ist vermutlich der einfachste Hinweis: Steht zu dem, was Ihr getan habt – als Einzelne oder als Kirche. Flüchtet Euch nicht in Lügengeschichten, mit denen unliebsame Wahrheiten beschönigt werden sollen. Erfindet keine alternativen Fakten, die Unrecht in Recht verdrehen und umgekehrt. Lasst Euch nicht zu Unwahrheiten verleiten, wenn die Wahrheit den Blutdruck steigen lässt und den Puls beschleunigt. Das ist deutlich leichter gesagt als getan. Wie schnell rutscht mir eine schnell dahingesagte Antwort über die Lippen, die keinen Anstoß erregt, aber gar nicht so gemeint ist!? Manchmal kann es besser sein, erst einmal nichts zu sagen. „Keine Antwort ist auch eine Antwort“ heißt es im Volksmund. Möglicherweise ist damit der Wahrheit mehr gedient.

2b) … der Gerechtigkeit …
Schon etwas komplizierter ist es mit der Gerechtigkeit: Dass es gerecht zugehen soll, darüber sind wir uns sicher alle schnell einig. Was aber ist gerecht: Ist es gerecht, dass Deutschland keinen Elfmeter wegen Handspiel bekommen hat oder nicht?
Welchen Maßstab lege ich für die Gerechtigkeit an: Bedeutet Gerechtigkeit, dass alle gleich viel haben? Oder dass jeder bekommt, was er verdient? Oder ist Gerechtigkeit dann hergestellt, wenn jeder hat, was er braucht?
Darüber müssen wir uns immer wieder verständigen. Das lässt sich nicht so ohne weiteres und auch nicht ein für allemal festschreiben. Prüft, ob Eure Gerechtigkeit dem Herrn gefällt! Kann ich guten Gewissen sagen: „Ja, das ist gerecht?“

2c) … und der Güte
Das dritte Stichwort ist die Güte. „Unter Güte versteht man eine freundliche, wohlwollende und nachsichtige Einstellung gegenüber anderen. Elemente von Güte sind Gutes tun, Gnade üben, Wohlwollen und Barmherzigkeit. Als Gegenteil von Güte bzw. Herzensgüte werden Strenge oder Unnachgiebigkeit angesehen“. So nachzulesen bei Wikipedia. Die Gerechtigkeit und die Wahrheit zielen eher darauf ab, dass im Zusammenleben bestimmte Regeln verlässlich gelten müssen. Die Güte stellt den Sinn dieser Regeln nicht in Frage; aber sie erinnert daran, dass jedes Regelwerk an seine Grenzen kommt und die Einhaltung von Regeln allein keine Garantie für ein gelingendes Leben ist. Menschen sind fehleranfällig und nicht vollkommen. Deshalb braucht es neben der Gerechtigkeit und der Wahrheit – oder besser gesagt: Im Umgang mit der Gerechtigkeit und der Wahrheit – auch „eine freundliche, wohlwollende und nachsichtige Einstellung gegenüber anderen“. Eine solche Einstellung gefällt Gott! Wenn wir so leben wollen, wie es dem Herrn gefällt, dann braucht es neben der Gerechtigkeit und der Wahrheit eben auch die Güte.

3) Deckt die Taten der Finsternis auf
Das lässt sich gut zeigen bei der dritten Aufgabe, die uns (nach der Lebensführung und dem Prüfen) hier gegeben wird: Deckt finstere Machenschaften auf. Oder wie es im Epheserbrief heißt: Beteiligt euch nicht an Taten, die der Finsternis entstammen und fruchtlos sind. Deckt vielmehr solche Taten auf!

Das lässt an WikiLeaks denken oder an investigativen Journalismus. Oder an die Forum-Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche. Da ist Aufdecken bitter nötig. Da muss die Wahrheit ans Licht kommen. Aufklärung und Strafverfolgung sind nötig, damit denjenigen Gerechtigkeit widerfahren kann, denen Gewalt angetan wurde.
Es gibt aber auch andere Beispiele von Aufdecken; bei denen geht es nicht um das Wohl von Menschen sondern um Sensationsgier. Es gibt ein voyeuristisches Aufdecken, das nur am Niedermachen oder an der eigenen moralischen Überlegenheit interessiert ist: Videos von peinlichen Momenten anderer teilen; das Scheitern der Ehe von Stars in der Öffentlichkeit breittreten. Solche Enthüllungen ohne Güte sind keine Frucht des Lichts, sondern Taten, die der Finsternis entstammen und nichts Gutes bewirken.

Güte bedeutet: Dem Täter im Aufdecken seiner Tat den Respekt erweisen, den er anderen versagt hat. Dabei wird der Gesichtsverlust vermieden, der eine Abwehrhaltung provoziert. Gerade dadurch wird der Weg zur Umkehr eröffnet. Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

Ihr seid das Licht der Welt. Gestaltet Euer Leben entsprechend. Prüft, was Gott gefällt. Deckt auf, was das Leben verdunkelt, damit Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit ans Licht kommen.

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