Predigt am Sonntag Judika, 6. April 2025,
über 1. Thessalonicher 5,21 (Jahreslosung 2025) in der Evangelischen Stadtkirche Durlach

(Gottesdienst mit Konfirmations-Jubiläum)
von Pfarrer Thomas Abraham

Liebe Jubilarinnen, liebe Jubilare, liebe Gemeinde.

Zwischen der Diamantenen, der Eisernen, der Gnaden- und der Kronjuwelen-Konfirmation liegen eigentlich jeweils 5 Jahre. Acht von Ihnen haben diese Spanne jetzt in nur 3 Jahren zurückgelegt: Ihr letztes Konfirmationsjubiläum haben wir am 2. April 2022 gefeiert – wegen Corona von 2020 verschoben.

Vermutlich sind wir alle froh, dass diese Zeit der Einschränkungen und Auflagen vorüber ist. Ich gebe aber zu, dass sich einige Dinge in dieser Zeit ergeben haben, für die ich heute noch dankbar bin. Nur zwei Beispiele: Wir haben gelernt, dass wir in der Erkältungszeit in der Straßenbahn eine Maske tragen können – zum Schutz für uns selbst und für andere; und beim Bäcker hat sich das Anstehen in einer geordneten Schlange eingespielt – bis vor die Tür.

Prüft alles und behaltet das Gute. Das ist die Jahreslosung für dieses Jahr 2025. Lassen Sie uns heute den Blick zurück und den Blick nach vorn unter diese kurze und bündige Mahnung stellen.
Sie erinnern sich an Ihre Konfirmation und Ihre Konfirmandenzeit. Die lagen in einer ganz anderen Zeit als der unseren heute. Aber es lassen sich, wie ich finde, durchaus interessante Verbindungslinien finden. Ein paar Ereignisse aus der Karlsruher Geschichte will ich dazu in Erinnerung rufen.

1950
Der 200.000ste Karlsruher Einwohner wird geboren.
Das Badische Staatstheater eröffnet in der wieder hergestellten Stadthalle am Festplatz den Spielbetrieb (das Hoftheater war bei einem Fliegerangriff zerstört worden).
Im Juli wird der Ausgemeindungs-Antrag Durlachs im württemberg-badischen Landtag in Stuttgart abgelehnt. Das Durlacher Stadtamt wird nun dem Oberbürgermeister direkt unterstellt.

1955
Im Januar erreicht das Rheinhochwasser mit 8,38m den höchsten Stand seit 138 Jahren (1817 8,82 m).
Ein Großbrand bei der Firma Gritzner & Kayser am ersten März richtet einen Schaden von 6 bis 7 Mio DM an. 1.000 Arbeiter müssen entlassen werden.
Mit dem Besuch einer Gruppe von Schülerinnen des Lessinggymnasiums in Nancy über die Osterfeiertage beginnt die Städtepartnerschaft Nancy-Karlsruhe.

1960
Am 20. Juli wird der Neubau für das Durlacher Finanzamt an der Prinzessenstraße fertiggestellt.
Ende des Jahres beträgt die Einwohnerzahl von Karlsruhe etwa 240.000 (wäre diese Entwicklung so weitergegangen, lägen wir heute bei ca 500.000).

1965
feiert Karlsruhe seinen 250. Stadt-Geburtstag
Im November wird die Unterführung der Kriegsstraße am Ettlinger Tor für den Verkehr freigegeben.
Ende des Jahres sind in der Stadt etwa je 50.000 Personenkraftwagen und Fernseher zugelassen bzw. angemeldet. (auf 5 Personen kommt 1 PKW / TV; Autos: 2020 ca. 140.000, fast 1 je 2; TV: 1,5 je Haushalt, auf 4 Personen kommen 3)

1975
Das „Richt-Krankenhaus“ in Durlach wechselt am 14. Januar bei einer Zwangsversteigerung den Besitzer und wird als „Paracelsusklinik“ weitergeführt.
Bei einem Bombenanschlag auf das Bundesverfassungsgericht am 4. März entsteht (Gott sei Dank „nur“) Sachschaden.
Am 5. März trifft sich zum ersten Mal die „Gesprächsrunde junger Frauen“ hier in der Stadtkirchen-Gemeinde Durlach.
Das neue Badische Staatstheater wird mit einer Festaufführung der „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart feierlich eröffnet (bis zur nächsten Fertigstellung dauert es geschätzt noch 2 bis 9 Jahre).
Nach siebenjähriger Zweitklassigkeit steigt der KSC wieder in die Fußballbundesliga auf (da mag jede und jeder selbst schätzen, wie lange es bis zum nächsten Wiederaufstieg dauert).

Das und vieles mehr in den Jahren dazwischen und seither haben Sie miterlebt. Sie hatten in dieser Zeit immer wieder Entscheidungen zu treffen: Wo soll mein Lebensweg hinführen? Wie will ich mein persönliches Umfeld gestalten? Welchen Beruf will ich ergreifen?
In Ihrem Leben gab es immer wieder Veränderungen, auf die Sie sich einstellen mussten. Es gilt als eines der Merkmale der Zeit, in der wir leben, dass Veränderungen immer schneller erfolgen. Bei den Entwicklungen im Bereich der Technik z.B. liegt das auf der Hand.
Es gibt noch ein weiteres, oft genanntes Merkmal: Die Lebensstile und Lebensformen werden immer unterschiedlicher. Anders ausgedrückt: „Jede und jeder lebt heute so, wie sie / wie er will“. Je nachdem, was ich vor Augen habe, finde ich das dann gut oder schlecht.

Prüft alles und behaltet das Gute. Der Blick in die Jahreslosung zeigt mir, dass Veränderungen zumindest schon immer ein Thema waren, und dass Veränderungen schon immer daraufhin geprüft werden mussten, ob sie gut sind oder nicht. Das ist nicht nur eine Aufgabe für jede und jeden allein; es geht nicht nur darum, was für mein individuelle Lebensplanung und mein persönliches Glück gut ist; es geht auch darum, was für die Gemeinschaft und für den Zusammenhalt in der Gesellschaft gut ist.

In seinem Brief an die Thessalonicher nennt Paulus dafür einige Kriterien, einige haben wir vorhin in der Lesung gehört: Gut ist, was dem Frieden und der Gemeinschaft dient. Dazu ist es gut, keine Vergeltung durchgehen zu lassen – die sät nur Hass und Feindschaft. Gut ist, die Ängstlichen zu ermutigen und sich um die Schwachen zu kümmern – sonst bricht die Gemeinschaft auseinander. Gut ist, die Ideen und Ansichten von möglichst vielen zu hören und zu bedenken. „Schwarmintelligenz“ wird das manchmal genannt. Das hilft, mit der Unterschiedlichkeit der Menschen umzugehen. An anderer Stelle spricht Paulus vom einen Leib mit den vielen Gliedern. Vermutlich waren die Menschen schon immer sehr unterschiedlich; aber wir haben erst nach und nach gelernt, diese Unterschiede zuzulassen.

Prüft alles und behaltet das Gute. Es geht nicht darum, entweder progressiv oder konservativ zu sein – sondern auf das Gute bedacht. Stellt alles auf den Prüfstand: Das „was schon immer so war“, genauso wie das, was „zeitgemäß“ oder „modern“ ist. Scheut Euch nicht, „altmodisch“ zu sein, wenn es um etwas Gutes geht: Um Respekt oder Hilfsbereitschaft oder Freundlichkeit. Anderes „hätte es früher nicht gegeben“ – und es ist gut, dass es heute möglich ist: Dass Menschen ihr Leben nicht nach einer Norm gestalten müssen – auch wenn die mir vielleicht entspricht; oder dass unsere Gesellschaft bunt und vielfältig ist. Da tun sich eben auch ganz neue Möglichkeiten auf. Prüft alles und behaltet das Gute.

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