Predigt am Sonntag Exaudi, 1. Juni 2025.
in der Evangelischen Stadtkirche Durlach

(Gottesdienst mit Konfirmation)
von Pfarrerin Susanne Erlecke

Liebe Konfirmanden und Konfir­man­dinnen,

liebe Gemeinde,

Haben Sie, habt ihr schon mal beim Dreisprung bei Olympia zugeschaut? Beim Anlauf, dem Sprung und dann der Landung. Ich finde das immer wieder faszinierend, den richtigen Abstand für den Anlauf zu finden, um das Brett zum Absprung zu finden und schließlich möglichst weit weg vom Brett und gut zu landen. Na gewissermaßen ist das wie heute. Das Leben ist ein Dreisprung, ein zeitlicher Dreisprung. Er wird bestimmt von: der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft Also von gestern, heute und morgen. Dem was war, ist und sein wird. Darum geht es heute: um euren KONFI-Dreisprung. Wo laufe ich los? Wo will ich abspringen? Wo will ich landen?

Und mitten drin seid ihr: Gestern ward ihr Konfis Heute seid ihr mitten drin – werdet konfirmiert und morgen seid ihr schon gelandet als die Ex-Konfis die als Christen ihre Zukunft (selbstständig) in die Hand nehmen. Aber irgendwie sind wir alle, nicht nur ihr KONFIS, immer wieder mitten drin oder nicht? Wir befinden uns zwischen dem, was war und seine Auswirkungen im heute hat, dem, was gerade ist und dem, was daraus/danach werden kann und soll, nicht durch andere sondern gerade auch durch uns selbst. Wir alle müssen entscheiden, wo wir loslaufen und wohin wir wollen in unserem Leben und mit welchen Mitteln. Wir alle sind mitten drin und beteiligt an dem, wie die Zukunft aussehen kann, für uns und andere, für unser Umfeld und die große weite Welt. Im Kleinen fängt alles an. Fragt sich nur, was! M.E. haben wir das mit in der Hand. Denn „mitten unter euch bricht das Reich Gottes doch an“, sagt Jesus. „Jeder einzelne kann den Unterschied machen.“ Es geht um das Losgehen, sich aufraffen und aufmachen – das Sein – und das Werden.

Doch mal von Anfang an, Alles hat schließlich seine Voraussetzungen, seine Vorgeschichte. Am 26. Juni 2024 ging es los. Ihr habt euch zum KONFIunterricht angemeldet. Fast jeden Mittwoch, einige Samstage und vor allem Sonntage ward ihr hier – mehr als im Durchschnitt von jedem von uns hier vermutlich. Vor knapp einem Jahr seid ihr hier angekommen mit euren Taschen. Einiges war schon eingepackt, anderes sollte hinein.

Mitgebracht habt ihr euch natürlich, jeder mit seinen und ihren Gaben und Möglichkeiten, Wünschen und Interessen. Und ihr habt davon auch manches ausgepackt auf dem Weg bis zum Sprung, zum heutigen Tag.

Ausgepackt habt ihr eure Freude und Humor, euch selbst und euren Glauben, euer Interesse, eure Kreativität, Freude und Spaß. Gute Laune und Intelligenz, Offenheit Aufmerksamkeit, Witzigkeit, euer Wissen und oft genug euer Handy – war doch gar nicht so schlimm ohne auf der Freizeit. Ach so vielleicht ist die heutige Flamme mit einem wirklich guten Snapshot, einer Momentaufnahme mit Pfiff zu erhalten. Manche Gabe war auch dabei: Still sein und gut zuhören, die Bereitschaft etwas zu lernen, um hinterher mehr über eure Religion zu wissen. Das waren gute Voraussetzungen für das, was ihr wolltet. Als Erwartung an den KONFI-Unterricht habt ihr geäußert: Ich will was über Gott lernen, mehr über Gott wissen oder auch über den eigenen Glauben Bescheid wissen. Die Zwischenmenschlichkeit sollte nicht zu kurz kommen, neue Leute kennenlernen, Freunde finden. Das ist euch auch gelungen. Ihr ward, seid eine echt gute KONFIgruppe.

Ein Teil der kirchlichen Gemeinde wollt ihr sein auch danach. Die Entscheidung KONFI zu machen, nicht bereuen und konfirmiert werden wolltet ihr auch noch, so stand es auf den Taschen, die hier bis Mittwoch hingen. Und da sind wir auch beim Heute angekommen. Der KONFIunterricht war quasi der Vorlauf, das nötige Trainingslager, um mit Schwung das Brett, den Konfirmationstag zu erreichen. Welches Thema wird euch im Gedächtnis bleiben, euer Handeln bestimmen?

Die allgemeinen Glaubensweisheiten kennt ihr: anderen helfen, spenden, teilen, gerecht sein, für den Frieden eintreten. Seit letztem Sonntag sind noch zwei Vokabeln hinzugekommen: sanftmütig und barmherzig sein. Alles gut und richtig, aber all das muss gefüllt werden. Ich muss wissen, warum ich was gut finde oder auch nicht. Warum ich mich so ausdrücke und welche „No Go`s“ es im Umgang gibt. Ich muss mir klar darüber werden, welche Werte mein Leben bestimmen sollen und wo ich vielleicht auch gegenhalten muss. Ich muss schlicht wissen, was ich tue, sage und was eben nicht. Ich muss mir klar werden, wofür ich mich einsetze, warum und vor allem wie? Gar nicht so einfach ist das. Es ist ein Prozess, ein Weg mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Niederlagen. Es ist aber ein Weg, den ich nicht allein gehen muss. Andere sind mit mir unterwegs. Ein Schritt auf diesem Weg (der Sensibilisierung) war sicher unser Aufenthalt in Mannheim – Sandhofen. Beim Besuch des ehemaligen Arbeitslagers hörten wir unter welchen Bedingungen die Kriegsgefangenen ihr Dasein fristeten, wie Menschen andere Menschen behandelten. Oder als wir in Ettlingen auf den Spuren jüdischen Lebens und dessen Vernichtung im 3. Reich unterwegs waren. Aber auch die Ausstellung hier im Gemeindehaus zeigte auf, wo Menschen Werte mit Füßen traten. Und mittendrin gab es immer wieder Menschen, die das nicht hinnahmen, sondern sich gegen das Unrecht stemmten. Obwohl sie wussten, dass das auch Konsequenzen haben könnte und hatte für das eigene Leben. Wegschauen war für sie aber keine Option. Den Blick abwenden ist eine Lösung, wo die Freiheit, das Wohl anderer in Mitleidenschaft gezogen wird. Es gibt gute Gründe hinzusehen, wo Unrecht geschieht und den Mund für die Stummen aufzumachen. Immer wieder, zu allen Zeiten und an allen Orten. Oft geschah das aus christlichen Motiven. Sie fanden Halt in ihrem Glauben. Sie vertrauten darauf, einer hat das schon mal gemacht und geht mit uns. Jesus setzte sich für die Verfolgten und Ausgestoßenen ein, für die, die gemobbt wurden.

Keine alte Geschichte, sondern leider immer wieder hochaktuell:

  • da geht es um meinen Mitschüler, der ausgelacht wird.
  • um Menschen, die ausgegrenzt werden, weil sie anders sind, wo anders herkommen oder eine andere Sprache sprechen.

Es geht um die Haltung als Christ.

Ich glaube, ich habe noch nie so viel über Demokratie geredet, über Freiheit und Frieden nachgedacht bei einer KONFIgruppe wie mit euch. Woran das liegt? Vielleicht weil es gerade eben auch angesagt ist. Es nötig ist, weil dieses hohe Gut geschützt werden will. Es ist notwendig, weil wir der Gefährdung entgegen treten können, mit guten Argumenten. Es geht um Haltung zur Freiheit, zu der Gott uns berufen hat. Und es geht um den Halt, den ich bekomme durch Familie und Freunde und vor allem durch Gott.

 

2) Und jetzt sitzt ihr heute hier an der HALTESTELLE „KONFIRMATION“ am Absprung, hoffentlich nicht im Sinn von „tschüss und vorbei“. Die Konfirmation ist der Ort, wo, der Tag, an dem ich mich festige, mich dessen versichere, was Gott mir bei der Taufe zugesagt hat. Heute verändert sich nochmal was. Eure Tasche wird noch mit dem entscheidenden Plus/Teil gefüllt: Dem Segen Gottes. Segen, das können wir uns nicht selbst geben. Segen wird uns zugesprochen. Gott will, dass wir mutig, stark, beherzt ins Leben gehen. Mit deinem ganz individuellen Segenswort im Gepäck geht es heute, nachher weiter. Stimmig mit dir. Deine Sehnsüchte, deine Fragen, deine Hoffnung, deine Überzeugung stecken in dem Spruch, der dir zugesagt wird. Ich wünsche dir/ euch, dass ab und zu ein Geistesblitz bei jedem von euch erfolgt und du dir deinen eigenen KONFIspruch ins Gedächtnis rufst, der dich stärkt und mutig macht, beherzt zu handeln. Ich wünsche dir, dass du noch ein wenig mehr in die Tiefe deines Glaubens einsteigst. Der Konfiunterricht ist nicht unbedingt der Ort dafür, aber ein guter Beginn. Jetzt wartet ein neues Kapitel auf euch. Aber wie? Wie wirkt sich dieser Segen aus? Was meint das: als Gesegnete in die Zukunft zu gehen?

 

3) Also wie geht die Reise weiter?

Als Teamer, als ab und zu Besucher des Gottesdienstes am Sonntag, als Christ, als Mensch unter Menschen? Es braucht streitbare Christen, die den Mund aufmachen. Gott braucht Menschen, die aufstehen, aufeinander zugehen und voneinander lernen wollen. Er braucht Menschen, die genau hinsehen, abwägen können. Dazu braucht es Mut, Stärke und Beherztheit. Oder anders gesagt: Gott will, dass wir mutig, stark, beherzt ins Leben gehen.

Es ist gut, dass es auf diesem Weg, Orte gibt, wo ich mir Kraft holen kann. Für mich ist der Glaube und sichtbar der Ort Kirche so ein Ort,

  • Wo ich auf Verständnis hoffen darf.
  • Wo mir Verständnis entgegengebracht wird.
  • Wo ich auch mal was vertrauensvoll abladen kann.
  • Wo einer ein offenes Ohr hat oder findet und Fürsorge mich begleitet.
  • Wo ich verweilen kann, mit anderen nachdenken kann, Ruhe finde,
    Kraft tanken kann.
  • Wo keiner mich auslacht aber mit mir lacht und weint.
  • Wo ich Freunde treffe, mich mitteilen kann, streiten und wieder versöhnen kann,
  • Wo ich Freiraum erlebe und weiß,
    andere sind mit mir unterwegs hier vor Ort und weltweit.

Jeder von uns braucht einen Ort, wo er /sie sein darf, wie er / sie will. Gemeinsam gehen wir das Wagnis LEBEN in dieser Welt ein. Gemeinsam setzen wir uns für Frieden in Freiheit ein, für die Rechte von uns allen ein: von Natur, Menschen, Pflanzen, Tieren. Gott segnet dich und sagt ja zu dir, so wie er es immer schon getan hat.

Mutig, stark, beherzt könnt ihr, können wir die Zukunft wagen. Den Sprung ins Unbekannte morgen. Mutig, stark, beherzt loszugehen immer wieder, das wünsche ich euch. Mutig, stark, beherzt – ist die Übersetzung von „Fürchte dich nicht“ Seid mutig, aufmerksam und furchtlos, Seid stark – unbeugsam, klar und offen, meinungsstark und seid beherzt – sanftmütig, friedvoll und fröhlich. Schaut euch um, schaut genau hin, was die Welt braucht. Achtet auf euch und eure Mitmenschen. Die Welt braucht euch! Die Kirche, unsere Gemeinde braucht euch! Jeder und jede einzelne von euch macht den Unterschied. Zeigt mutig, stark, beherzt – Haltung und gebt anderen Halt. Das könnt ihr! Dazu seid ihr berufen. Und macht ab und zu mal auch hier Halt!

Gottes Segen begleite euch an allen Tagen. MUTIG; STARK, BEHERZT! Amen.

PS: Hören Sie doch mal rein:

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