Predigt am 4. Advent 2025, 21. Dezember 2025
über 2. Korinther 1,18-22 in der Evangelischen Stadtkirche Durlach

von Pfarrer Thomas Abraham

Liebe Gemeinde!

1) Der Vertrauensverlust des Paulus in Korinth …
Der Apostel Paulus hat auf seinen Reisen viele Gemeinden besucht, manche hatte er auch gegründet. Auf späteren Reisen hat er die Gemeinden dann erneut besucht, um sich ein Bild davon zu machen, wie sie sich entwickeln. Dazwischen hat er mit Briefen Kontakt zu ihnen gehalten. Einige Briefe sind erhalten und in der Bibel zu finden. Sie zeigen, wie die Beziehung zu der jeweiligen Gemeinde war.

Das Verhältnis zur Gemeinde in Korinth war von mehreren Konflikten belastet. Paulus hat versucht, mit seinen Ratschlägen Konflikte innerhalb der Gemeinde zu lösen. Dadurch wurde er aber selbst zum Konfliktpartner. Ein großes Problem für ihn war, dass Teile der Gemeinde offenbar kein Vertrauen mehr zu ihm hatten.
Er hatte einen längeren Besuch in Korinth angekündigt. Dann hatte er sich wohl kurzfristig zu einem „spontanen“ Besuch entschlossen, der aber offenbar mehr Schaden angerichtet hatte als dass er genutzt hätte. Deshalb sagte er den längeren Besuch ab, weil er befürchtete, dass es dadurch nur noch schlimmer würde. Das haben ihm manche als Unzuverlässigkeit ausgelegt: „Erst sagt er so, dann so. Was gilt denn jetzt – Ja oder Nein? Hü oder hott?“

… darf nicht zum Verlust des Gottvertrauens führen
Paulus „kämpft“ um die Beziehung mit der Gemeinde – sicher nicht immer glücklich, jedenfalls nicht immer mit Erfolg. Aber es geht ihm dabei nicht nur um seine Person, sondern mehr noch um den Erfolg seiner Mission. Die Korinther mögen ihn für einen schlechten Redner und für schwach halten – da gibt er ihnen sogar recht. Sie mögen ihn für unzuverlässig halten – dagegen verteidigt er sich und nennt seine Gründe. Viel wichtiger – ja: entscheidend ist, dass auf Gott Verlass ist. Deshalb schreibt Paulus unter anderem diesen Abschnitt:


2. Korinther 1,18-22 BasisBibel

18Aber Gott ist mein Zeuge:
Keines unserer Worte an euch
bedeutet gleichzeitig Ja und Nein.
19Wir – das heißt: ich, Silvanus und Timotheus –
haben bei euch Gottes Sohn, Jesus Christus, verkündet.
Und von dem gilt: Er war nicht Ja und Nein zugleich,
sondern er ist das Ja in Person.
20Durch ihn sagt Gott Ja zu allem,
was er je versprochen hat.
Auf ihn berufen wir uns,
wenn wir zu Gottes Ehre »Amen« sagen.
21Gott selbst ist es, der uns gemeinsam mit euch
im Glauben an Christus festigt.
Er hat uns gesalbt
22und uns sein Siegel aufgedrückt.
Dazu hat er uns den Heiligen Geist
als Vorschuss auf das ewige Leben ins Herz gegeben.

2) Jesus Christus ist das JA Gottes zu allen seinen Versprechen:
„Selbst wenn Ihr denkt, dass auf mich – Paulus – kein Verlass ist, weil ich zu einem Besuch bei Euch erst Ja und dann Nein gesagt habe: Was ich Euch über Gott gesagt habe, bedeutet nicht gleichzeitig Ja und Nein“. Bei diesem Ja Gottes geht es um viel mehr als um die Besuchspläne in Korinth: Jesus Christus … ist das Ja Gottes in Person. Durch ihn (d.h. durch Jesus Christus) sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat. Jesus Christus bestätigt alle Verheißungen, die Gott gegeben hat. Sie sind nicht überholt, sondern bestätigt, bekräftigt. Aber sie damit auch noch nicht in Erfüllung gegangen. Jesus reiht uns ein in die Erwartung des Volkes Israel. Wir sind mit hineingenommen in die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Wir sind mit hineingenommen in die Hoffnung der Juden auf Gottes Heil für diese Welt.

2a) zum Sinai-Bund mit seinem Volk
Durch Jesus Christus sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat. Am Berg Sinai hat das Volk Israel die Zehn Gebote bekommen als Zeichen für den Bund, den Gott mit diesem Volk geschlossen hat: „Ihr sollt mein Eigentum sein vor allen Völkern und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein“. Nichts davon nimmt Gott zurück. Durch Jesus Christus sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat. Sein Volk bleibt sein Volk und sein Gnadenbund bleibt bestehen. Einen Retter hat er verheißen, einen „Wunder-Rat“ und „Gott-Held“; einen „Friede-Fürsten“, dessen Herrschaft groß und dessen Friedens kein Ende sein wird.

2b) zum Abraham-Bund / „abrahamitische Religionen“
Mit Abraham hat Gott einen Bund geschlossen und ihm versprochen: „Du wirst Nachkommen haben, so viele wie Sterne am Himmel stehen. Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein für viele Völker. Und du wirst in einem Land wohnen, das ich dir zeigen werde.“ Zwei Söhne wurden dem Abraham dann geboren – Ismael und Isaak. Isaak wurde Vater von 12 Söhnen und somit zum Stammvater des Volkes Israel, Ismael wurde zum Urahn der Muslime. Gott hat also nicht nur Gott des Volkes Israel, sondern Gott der drei sog. abrahamitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam. Durch Jesus Christus sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat.

2c) zum Noah-Bund mit allen Geschöpfen
Dem Noah hatte Gott versprochen: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen, denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“. Durch Jesus Christus sagt Gott Ja zu diesem Versprechen. Gott weiß um das Böse in den Menschen, aber er bleibt bei seinem Ja. Gott verflucht die Menschen dafür nicht, sondern nimmt am Kreuz den Fluch auf sich. Sein Wille ist, dass alle Menschen / dass alle seine Geschöpfe leben können.

3a) Jesus Christus ist das personifizierte Ja Gottes zu den Menschen …
Gottes Eindeutigkeit trägt einen Namen: Jesus Christus … war nicht Ja und Nein zugleich, sondern er ist das Ja in Person. Jesus Christus ist das große Ja Gottes. Der menschgewordene Gott hat Ja gesagt zu seinen Menschenkindern: „Ja, ich habe Euch geschaffen und ich will ein jedes von Euch am Leben erhalten. Einem jeden von Euch gilt mein Ja – ein Ja aus freien Stücken ohne Wenn und Aber. Ein jedes von Euch ist mein Geschöpf, steht unter meinem Schutz“. Jesus Christus … war nicht Ja und Nein zugleich. Er ist Gottes unbedingtes Ja – Kein „Ja, aber“ und kein „Ja, wenn du …“, sondern ein klares, ein warmherziges und eindeutiges „Ja“ – von Anfang an, schon im Mutterleib. Gott kommt mit diesem Ja allem zuvor, was Menschen tun. Gottes Entscheidung für die Menschen ist unabhängig von dem, was wir ihm zu bieten hätten.

3b) .. und damit das Nein Gottes zu aller Menschenfeindlichkeit
Er war nicht Ja und Nein zugleich, sondern Gottes bedingungsloses JA zu allen seinen Geschöpfen. Gottes Ja kann nur Bestand haben, wenn er Nein sagt zu allem, was diesem Ja widerspricht. Das bedingungslose Ja des menschenfreundlichen Gottes schließt ein bedingungsloses NEIN zu jeder Form von Menschenfeindlichkeit ein. Das eindeutige Ja Gottes zu allen Geschöpfen sagt eindeutig Nein zu allem, was sich gegen andere Geschöpfe richtet. Gott sagt Nein zu jeder Form von Menschenverachtung und zu jeder Form von Rassismus – ganz gleich, ob sie sich gegen Juden richtet oder gegen Muslime oder gegen Christen. Gott sagt Nein zu jeder Form von Abwertung anderer Menschen. Dieses Nein Gottes hat das Grundgesetz aufgenommen (Art 3): „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“.

Gottes Ja zu den Menschen schreit danach, dass auch wir Ja sagen zu den Menschen – ob wir sie mögen oder nicht; ob wir ihre Ansichten teilen und ihr Tun gutheißen oder nicht. Und Gottes Ja zu den Menschen schreit genauso nach unserem Nein zu jeder Form von Unmenschlichkeit. Manchmal fällt es schwer, am Ja zu einem Menschen festzuhalten, wenn ich zu vielem Nein sagen muss, was dieser Mensch tut. Aber um Gottes und der Menschen willen führt an dieser Mühe kein Weg vorbei.

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