Predigt am Altjahrsabend, 31. Dezember 2025
über Hebräer 13,8-9 in der Evangelischen Stadtkirche Durlach

von Pfarrer Thomas Abraham

Hebräer 13,8-9
8Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
9Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.


Liebe Gemeinde!

Ein Jahresrückblick ist mehr als nur Statistik oder „Leistungsschau“. Er ist Gelegenheit zum Innehalten: Was ist da gewesen in den letzten 12 Monaten? Was bleibt? Was trägt in die kommende Zeit? Was bietet Halt und Grund, sodass wir unsere Schritte im Neuen Jahr darauf aufbauen können?
Ich bin immer wieder Mal verblüfft, wie schnell manches schon wieder beinahe vergessen ist. Deshalb will ich mit einer durchaus subjektiven Auswahl an einiges aus dem Gemeindeleben dieses Jahres erinnern.

Januar
Kurz nachdem wir „5 Jahre Baraka“ gefeiert hatten, musste Liam Geiger (unser Mann an den Tasten) aus der Band aussteigen – sein Studium lässt ihm dafür keine Zeit mehr. Dadurch waren wir etwas zögerlicher mit den Einsätzen in diesem Jahr. Fortsetzung folgt.

Februar
„Stell dir vor, die Zukunft wird super und wir sind schuld dran“. Das war die Überschrift der „Kirche um halb12“. Sophie Schneider hat die Ergebnisse ihrer Studie vorgestellt über die Sorgen von Jugendlichen und was ihnen Hoffnung gibt. (SSY im November)

März
Maria Götz, Pfarrerin im Probedienst in den Bergdörfern, ist in der Karl-Weysser-Str. 2 eingezogen. Damit haben wir nicht nur wieder eine nette Nachbarin bekommen, sondern auch einen direkten Draht in die Bergdörfer.
Die neue, größere Region Ost ist mit der Regio-Synode und viel Bereitschaft zu einem guten Miteinander ermutigend gestartet.
Es gab einen berührenden Konfi-Eltern-Gottesdienst zum Thema „Haltung zeigen – Halt geben“.
Wir hatten volles Haus bei der Lesung des Stockholmer Kriminal-Kommissars Simon Häggström „Auf der Seite der Frauen“ über die Arbeit der schwedischen Polizei mit Frauen in der Prostitution.

April
Musical der Jugendkantorei „Bach forever“

Mai
Beim Spendenlauf für die Durlacher Kirchenmusik kamen 4.575€ zusammen.

Juni
Die Wiederindienstnahme der Friedhofskapelle nach langer Renovierung wurde mit einer Oekumenischen Andacht begangen.
„traut-euch“ war eine Gemeinschafts-Aktion der Pfarrerinnen und Pfarrer in der Region: 8 Paare kamen hierher in die Stadtkirche zur Segnung, Trauung oder Segensbekräftigung. Eine Neuauflage folgt am 20.06.26 – dann auch in Kooperation mit dem Standesamt Durlach.

Juli
Eine erfolgreiche Neuauflage hat SIMSA bereits erlebt – ergänzt mit zwei Specials im November und Dezember.
Die Brunnentaufe fand am Liebesbrunnen hier vor der Kirche statt, weil der Brunnen an der Nikolauskapelle noch nicht wieder läuft.
Und unsere Enkelin Cleo wurde getauft – wenn auch in Neckartenzlingen.

August – Urlaubszeit

September
Bei der Kirche um halb12 mit dem Titel „Lege deine Sorgen nieder“ haben wir das bisher letzte Mal mit Baraka gespielt – und jetzt nutze ich die Gelegenheit zu verkünden: Mike Reichenbacher steigt im nächsten Jahr mit ein.

Oktober
Mit dem Gemeindebrief haben wir zum ersten Mal den „Freiwilligen Gemeindebeitrag“ erbeten; der richtet sich an alle, die Geld für die Gemeindearbeit erübrigen können, vor allem aber an diejenigen, die keine Kirchensteuer zahlen. Ich gebe zu, dass ich ein wenig skeptisch war, aber der Erlös von rund 13.000,-€ gibt der Idee Recht.
Das Café Miteinander ist in seine zweite Saison gestartet.
Wir konnten ein lebendiges Gemeindefest feiern mit Hüpfburg und Menschenkicker.

November
Wir wurden eine von deutschlandweit rund 550 „Erprobungs-Gemeinden“ und können noch bis Ende März Erfahrungen mit dem Auswahlband sammeln – und die auch zurückmelden.
Brot-für-die-Welt und der SWR waren mit dem Fernseh-Gottesdienst zu Gast. Wer den noch nicht oder noch nicht oft genug gesehen hat, kann ihn noch bis zum 30.11.2026 in der ⇒ARD-Mediathek finden. Für Brot-für-die-Welt gingen dabei 2.000€ ein (und an Heiligabend noch einmal 5.000€).

Dezember
Der Ältestenkreis hat nach der Kirchenwahl zum einen Susanne Nagel wieder zur Vorsitzenden gewählt und zum anderen beschlossen, Daniel Meier für die Nachwahl in den Ältestenkreis vorzuschlagen.
Der 15. Karlsruher Singalong war ausverkauft.

Ein reiches Jahr mit ganz vielem, wofür wir sehr dankbar sein können. Und ich trau mich zu sagen: Bei diesem Jahresrückblick dürfen wir als Stadtkirchen-Gemeinde auch (ein bisschen) stolz sein.
Und doch ist es nicht die Erfolgsbilanz, auf die wir den Weg in die Zukunft aufbauen können, sondern das, was Gott an Segen darauf gelegt hat. Besonders wertvoll bleiben die Dinge, die unvorhergesehen gelungen sind. Damit bin ich beim Predigttext für diesen letzten Abend des Jahres aus dem Hebräerbrief (13,8.9b):
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

Ein köstlich Ding. Köstlich kommt von „kostbar“: Wertvoll, erlesen, prächtig. Und es hat mit Genuss zu tun. Wenn etwas unbeschreiblich gut geschmeckt hat, dann sagen wir: „Das war köstlich!“ Oder wir haben uns „köstlich amüsiert“. Köstlich bedeutet auch „nicht in Worte zu fassen“, „unbezahlbar“ oder „unbeschreiblich gut“.
Dass das Herz fest werde – dass wir die Kraft und den Mut bekommen, ein neues Jahr anzugehen mit allem, was auf uns zukommt; dass wir über den schlechten Nachrichten und all dem Unkraut, das sich zwischen der guten Saat breitmacht, nicht verzagen, sondern an der Liebe und der Hoffnung festhalten – das ist ein köstlich Ding. Das lässt sich nicht antrainieren oder erarbeiten – es ist ein Geschenk. Gnade.

Vieles von dem, was wir im letzten Jahr erlebt haben, waren solche Geschenke, die Gott hat werden lassen. In diesem Sinn können wir dann doch auch darauf bauen. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Wir kommen aus einer Vergangenheit her, die uns getragen hat und heute noch trägt. Wir stehen auf einem tragenden Grund, den wir nicht selbst gelegt haben. Wir sind nicht unsere eigene Erfindung, sondern Gottes Geschenk. Gnade. Die liegt nicht in unserer Hand und nicht in unserer Verantwortung; aber auf sie ist Verlass. Lasst Euer Herz fest werden, denn das ist ein köstlich Ding.

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