Regio-Predigtreihe 2026 der Region Ost
„Aus der zweiten Reihe“

Predigt zu MIRIAM – Schwester, Musikerin, Beterin, Prophetin und Kritikerin

von Pfarrerin Susanne Erlecke

Liebe Gemeinde,

in den meisten Geschichten der Bibel wird der Akzent auf die Männer gelegt. Nur wenige Frauen schaffen es, ein wenig innerhalb dieser patriarchalischen Kultur hervorzutreten.
Frauen spielen in der Bibel oft Nebenrollen. Aber beim genauen Hinsehen entdeckt man Frauen, die in ihrer Zeit große Stärke bewiesen haben. Dazu gehört Mirjam, eine besondere Frau im Mittelpunkt einer, nein der Freiheitsgeschichte überhaupt.
Mirjam.
Sie ist eine ebenso populäre Gestalt wie die Matriarchinnen: Sara, Rebekka, Rahel, Lea und Hagar. Dies zeigt sich schon an der Häufigkeit der Namenswahl. Und der Name „Maria“ ist eine Variante von Mirjam.
Die Etymologie des hebräischen Namens Mirjam (מִרְיָם mirjām; griech. mariam; lat. Maria) ist unsicher. Alte Traditionen sehen eine Verbindung aus jām „Meer“ mit „Myrrhe“ („Meeresmyrrhe“) oder auch „Stern“ („Meeresstern“). Andere verweisen darauf, dass es auch vom ägyptischen  mrj „lieben“ abgeleitet werden könnte. Hebräisch kann es auch eine Anspielung auf die bitteren Zeiten in Ägypten sein: „marim“ , die Bitteren. Andere behaupten, dass der biblische Kontext eine Herleitung von hebr. mārāh „widerspenstig sein“ unterstützt. Von allem finden wir etwas in der Geschichte der Mirjam.
Drei verschiedene Lebensphasen, drei Lebensabschnitte gilt es daher zu beleuchten, um deutlich zu machen, wer diese Frau ist und vor allem auch für uns noch heute sein kann.
Schauen wir:

  1. Auf ihre Jugend, als junges Mädchen in Ägypten, als Schwester eines kleinen Jungen, der eigentlich dem Tod geweiht ist. Und
  2. auf die junge Frau Jahre später, die mit ihrem Volk aus Ägypten fliehen kann, die Musikerin und Beterin Mirjam. Sowie
  3. auf die Prophetin und Kritikerin, von der Micha berichtet, die zum Vorbild für andere wird.
Lied: Schalom Chaverim (EG 434)

MIRIAM, die mutige, geschickte Schwester

So kennen wir sie, Mirjam. Sie ist zur rechten Zeit am rechten Ort. Die Prophetin Mirjam ist aus der Exodus-Geschichte der Bibel nicht wegzudenken. Mit Mose und Aaron bildet sie das Führungstrio der Befreiung aus Ägypten. Und ohne Mirjam hätte es den Exodus gar nicht geben können.
Zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein, das kann über Leben und Tod entscheiden.
Da hockt Mirjam im Gebüsch der Schilfblätter und beobachtet von ferne das Geschehen am Nil. Sie sieht das kleine Binsenkörbchen im Wasser treiben, in dem ihr drei Monate alter Bruder liegt. Eigentlich galt den Hebammen des Landes der Befehl:  „Alle Söhne, die geboren werden, werft in den Nil, aber alle Töchter lasst leben.“
(Exodus 1, 16;)
Aber es kommt anders, ganz anders für diesen Jungen. In einem Kästlein, Binsenkörbchen treibt er im Fluss. Und er wird gefunden. Sie alle kennen die Geschichte: Die Tochter des Pharaos kommt zum Baden an den Nil, sieht das Kästlein und lässt es holen. Mit vielem wird sie gerechnet haben, aber mit einem kleinen weinenden Kind? Und das Kindergesicht erweicht ihr Herz. Die Prinzessin erkennt sofort die Situation: „Da jammerte es sie, und sie sprach: Es ist eins von den hebräischen Kindlein.“ (Exodus 2,6;) Und Mirjam, ihre Gedanken müssen Karussell gefahren sein. Denn beide, die Prinzessin, wie Mirjam wissen: Es geht um Leben und Tod.
Das Unvorhergesehene geschieht. Die Prinzessin ist bezaubert von dem kleinen Kerl. Gegen alle gesellschaftlichen und politischen Ordnungen, gegen die Gesetze und Strafandrohungen, gegen den Willen ihres Vaters, zeigt sie Gefühle. Sie riskiert viel.
Und Mirjam begreift: Jetzt oder nie! Ihr kleiner Bruder ist in der Hand der anderen, der Feindin. Mirjam ist mutig und beherzt. Sie ist zur rechten Zeit am rechten Ort. Sie handelt schnell. Sie kommt aus ihrem Versteck und zeigt der Prinzessin auf, wie sie das Kind behalten kann. Geschickt agiert Mirjam. Sie vermittelt ihre Mutter als scheinbare Amme. Sie weiß, es kommt auf sie an. Sie beweist Mut und Klarheit. Sie ist Zeuge des Geschehens und wird zum Akteur. Sie wirkt überzeugend.

Gegen staatlich legitimierte Gewalt, gegen Unrecht und Ausgrenzung, gegen Angst und Terror, gegen Abschiebung und Mord wenden sich beide, die Tochter des Pharao und Mirjam, im Schlepptau die Mutter des Kleinen. Sie verbünden sich, obwohl sie gelernt haben, einander zu misstrauen, einander zu fürchten.
Die Liebe macht sie zu Komplizen. So hatte Mirjam ihrem Bruder das Leben gerettet und das Leid ihrer Mutter gewendet.

Kein schlechter Start in DIE GESCHICHTE, die bis heute das Selbstverständnis des Volkes Israel, des Judentum und des Christentums prägt: Gott führt aus der Sklaverei und Unterdrückung in die Freiheit. Unser Gott ist ein parteiischer Gott. Er steht auf der Seite der Schwachen, der Heimatlosen, der an den Rand gedrängten. Das zeigt er programmatisch mit dieser Geschichte.

Und diese Geschichte beginnt ganz klar mit Frauen! Ohne die liebende Mutter,

die aufmerksame und mutige Schwester. und die fremde Prinzessin gäbe es die Geschichte nicht.

  • Grenzen überwinden, die eigenen Grenzen der Furcht hinter sich zu lassen. Darum geht es.
  • Für das Wohl anderer, des Unschuldigen, Schwachen sich starkmachen. Darum geht es.
  • Mutig und auch listig, mit Charme und Scharfsinn, und gegen die Political Crrectness handelt Mirjam, handeln alle drei.

Darum geht es in diesen spannenden Erzählungen von Leben und Tod,
Darum geht es bei Mirjam.
Und Mirjam hat Gott auf ihrer Seite. Sie wird hier für mich zum Vorbild, sich auf die Seite der Opfer von Gewalt und Unrecht zu stellen. Das Wort zu ergreifen, wo Unrecht geschieht oder sich anbahnt. Sich nicht einschüchtern zu lassen und das Leben riskieren für das Leben anderer. Dazu gehört Mut, sehr viel Mut. Aber auch Vertrauen, Vertrauen in diesen Gott, der uns stärkt aufzustehen, der uns Mut macht, einander beizustehen und Unrecht zu benennen, mit klaren Worten, wo es nötig ist, so wie der Bürgermeister von Minneapolis Jacob Frey oder Tim Walz, der Gouverneur von Minnesota in diesen  Wochen/Tagen. So wie die Menschen in den Twin Cities in Minnesota, die gegen den Herrn im Weißen Haus und ICE demonstrieren, sich für ihre Mitmenschen einsetzen. Sie tun das trotz äußerlicher Widrigkeiten, bei minus 20 Grad. (Den „Windchill“ nicht eingerechnet.)

Lied: Im Lande der Knechtschaft (Mirjam-Lied)

MIRIAM, die Gott lobende und Kritikerin

Die Zeit vergeht. Mirjam wird älter, eine junge Frau. Und Mose, ihr Bruder, wächst im Palast auf und verspürt, dass er nicht dort hingehört. Er sieht das Volk der Israeliten, wie es leidet, wie es unterdrückt wird und hält es nicht aus. Klagegeschrei dröhnt in seinen Ohren. Es dröhnt in Mirjams Ohren. Seine Geschichte wird zu der ihren, ihre Geschichte zu der seinen.

Knapp rekapituliert: Die Geschichte erzählt von Mose am Palast, und wie Mose einen ägyptischen Aufseher erschlägt und fliehen muss. In Midian heiratet er Zippora, die Tochter eines Priesters. Nebenbei bemerkt, sie gehört nicht der jüdischen Religion an.
Dazu gleich mehr. Am brennenden Dornbusch wird er berufen, das Volk Israel, sein Volk aus Ägypten zu führen. Er holt seinen Bruder Aaron als Sprecher ins Team. Die Ägypter verweigern die Ausreise. Es folgen die zehn Plagen und schließlich die Flucht.
Die Israeliten sind auf der Flucht. Mirjam ist auf der Flucht. Und die Ägypter hinter ihnen her. Wer lässt schon seine Sklaven frei?

Wer flieht, ist zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Eine Flucht ist anstrengend und gefährlich. Weinen, Hilferufe und Angstschreie werden leise und laute Begleiter auf dem Weg in die Freiheit. Sie zehren an einem.
Doch das Ziel steht vor Augen: Endlich sagen können, was man denkt. Leben können, wie man will. Feste feiern, die zu einem gehören. Nicht ein Mensch zweiter Klasse zu sein, Würde, Freiheit und Glück zu empfinden, dafür ist Mirjam unterwegs. Dafür ist das Volk Israel auf der Flucht. Verständlich für den von uns, der es schon erlebt hat.
So lange sind die Fluchtgeschichten auch hier nicht her. Sei es nach dem zweiten Weltkrieg, zu Zeiten der DDR oder mancher Kriege in Europa und anderswo in den letzten Jahren.
Viele Menschen sind immer wieder auf der Flucht genau aus diesen Motiven heraus.
Sie wollen in Würde und Freiheit das eigene Leben gestalten. Sie wollen, gerade als Frau, den Zugang zu Bildung bekommen. Das ist wertvoll. Staatlicher Unterdrückung und Repressalien entgehen, sein Leben sinnvoll leben zu können, glücklich zu sein, das war das Ziel damals. Das wünschen sich viele heute.

Damals in Ägypten blieb die Flucht nicht ungesehen. Die Ägypter verfolgten die Israeliten. Das Schilfmeer wäre ihnen beinahe zum Verhängnis geworden. Doch wie durch ein Wunder – Mose erhebt den Stab: Das Meer teilt sich. Israel läuft, rennt und rennt. Und das Geschrei der Kriegsheere Ägyptens ist nah. Da heißt es: „Der Pharao zog hinein ins Meer mit Rossen und Wagen und Reitern. Und der Herr ließ das Meer wieder über sie kommen. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer.“ (Exodus 14, 28f;)
Totenstille wird für eine Weile geherrscht haben. Und Mirjam unterbricht die Stille vehement. Sie holt ihre Handpauke hervor und beginnt zu trommeln.Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen.“ (Exodus 15,20;)
Sie öffnet das Ventil der Erleichterung. Es muss alles raus, die Angst, die Wut, die Verzweiflung. Und dann beginnt sie zu singen: „Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“ (Exodus 15, 21;)
Sie singt und ein Funke springt über. Sie trommeln und singen mit. Die Frauen stimmen als erste in das Lob mit ein. Sie besingen die große Tat Gottes an ihnen. Mirjam weist auf den hin, der sie tagsüber in der Wolkensäule und in der Feuersäule des Nachts geleitet hat.
Spätestens seit diesem Lied gehört Mirjam zum Leitungsgremium. Ohne sie, können die Brüder das Volk gar nicht in das gelobte Land führen. Es braucht die Verortung im Glauben und den Part übernimmt sie. Sie wird zur Vorbeterin. Sie lobt Gott für seine Taten. Sie freut sich nicht am Tod der anderen. Sondern sie besingt den Gott, der DA IST, wie sein Name sagt. Sie erinnert an den, der befreit und neue Wege eröffnet. Und ihr Lied erzählt davon, dass sich die Verhältnisse umkehren können. Dass Starke schwach und Schwache stark werden. Viele Jahrhunderte später wird eine andere diesen Jubel aufnehmen in ihrem Lied, dem „Magnificat“, Maria. Vorhin haben wir es miteinander im Wechsel gesprochen.
Vielleicht ist es an der Zeit, Lieder zu singen, die von dieser Hoffnung auf Freiheit und Frieden erzählen. Für die Schwachen. Gegen Gewalttäter. Seit damals ist diese Hoffnung nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Und seit Ostern hat sie einen Namen: Jesus Christus. Dietrich Bonhoeffer hat es so formuliert:  „Wer Ostern kennt, der kann nicht verzweifeln.“ Gott ist gegenwärtig. Gott geht mit, damals und heute.

Lied: Schalom Chaverim (EG 434)

MIRIAM, die Kritikerin und Prophetin

Prophet oder Prophetin zu sein heißt in der Bibel, unmittelbar von Gottes Geist berührt zu werden und zu tun, was in diesem Moment richtig ist und gemacht werden muss.
Mirjam war so eine Prophetin, die sich im richtigen Moment vom Geist Gottes leiten ließ und das tat, was zu tun war. Aber Wüstenzeiten sind gefährliche Zeiten. Strapazen warteten auf die Israeliten auf dem Weg ins Gelobte Land. Da lagen die Nerven manches Mal blank. Das ist völlig verständlich und heute nicht anders: Solche kargen Zeiten setzen einem zu. Da wird die Haut dünn. Da reagieren wir gereizt. Wo das Leben eintönig und mühsam ist, da werden wir angreifbar und angriffslustig zugleich. Negative Gedanken, Gedanken und Gefühle bringen einen durcheinander, säen gar Zwietracht. In solchen Situationen braucht es Menschen, die einem eine andere Perspektive aufzeigen. Da braucht es die Vielfalt an Begabungen.
Mose und Aaron und Mirjam führten gemeinsam das Volk an. Jeder hatte seine besondere Stärke und Aufgabe. Trotz Murren, Jammern und Zanken, fanden sie miteinander eine Lösung, mit Gottes Hilfe. Sie arbeiteten im Team, aber in jedem Team brodelt es dann und wann. Machtkämpfe bleiben nicht aus. Und so kommt es zur Auseinandersetzung zwischen den drei Geschwistern. (Numeri 12) Die zugewiesenen Rollen werden zum Konflikt. Mirjam und Aaron solidarisieren sich, sind unzufrieden und neidisch auf die Sonderrolle des Mose bei Gott und durch Gott. Sie suchen öffentlich die Konfrontation. „Da redeten Mirjam und Aaron gegen Mose um seiner Frau willen, der Kuschiterin, die er genommen hatte.“ (Numeri 12,2;) Und die Heirat mit ihr wird zum Vorwand genommen, um die eigentlichen Stellungskämpfe auszutragen. Wer ist wichtiger, wer redet mehr mit Gott? Wem ist Gott näher? Und Mose? Er schweigt. Und am Ende gewinnt er. Mirjam dagegen wird bestraft.
Für Aaron ändert sich nichts. Eine herausfordernde Erzählung, Situation.
Es scheint mal wieder typisch. Die Prophetin, die Anführerin der Frauen, die selbstbewusst ihren Glauben heraussingt, die Verantwortung trägt, die Konflikte nicht scheut und Mose zur Rede stellt. Sie muss die Konsequenzen leibhaftig ertragen, spüren. Sie wird bestraft und bekommt Aussatz. Schlimmer noch, sie wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Aaron passiert nichts. Er bleibt verschont.
Zu Gute halten muss man den zweien, Mose und Aaron. Sie setzen sich für ihre Schwester ein. Aaron bittet Mose um Verzeihung. Und Mose bittet Gott um Heilung für seine Schwester. Die Beziehung der drei wird nicht zerstört. Sie bleiben sich und ihrem Auftrag und dem Volk treu. Sieben Tage wird Mirjam ausgeschlossen. Außerhalb des Lagers hält sie sich auf. „Und das Volk“ so heißt es in der Bibel „zog nicht weiter, bis Mirjam wieder aufgenommen wurde.“ (Numeri 12,15;) Es erklärt sich solidarisch. Mirjam bleibt ein Teil. Sie behält ihre besondere Rolle.

Mich lehrt diese Auseinandersetzung:
Kritik muss möglich sein. Konstruktive Kritik braucht jedes Team für seine Arbeit.  Teamfähig ist, wer sich für den anderen einsetzt oder auch verzeiht, um neu die Richtung miteinander zu bestimmen. Denn es geht bei allem nicht um das eigene EGO, sondern um das Ziel, die Vision, für die man sich engagiert, miteinander unterwegs ist. Vielleicht braucht es eine Art Auszeit, einen Dämpfer in der Zusammenarbeit, um sich als Team neu zu sortieren, um zu erkennen, wie wertvoll gerade auch die Meinung des anderen ist. Im Team muss ich manchmal zurückstehen, mich zurücknehmen, aber verraten darf ich mich nicht. Kritik kann schmerzhaft sein, vor allem wenn sie persönlich wird. Aber Emotionen sind Teil bei der Arbeit im Team.
Grundsätze sind zu diskutieren. Das tun Miriam und Aaron hier mit Mose. Wenngleich sie allein den Kürzeren zu ziehen scheint. Aber sie macht eben auch die Erfahrung, dass ihre Mitarbeit für die Brüder unverzichtbar ist. Der Einsatz für den anderen im Team gehört dazu. Mirjam und Aaron müssen die Sonderstellung des Mose anerkennen.
Verschiedene Aufgaben begründen nicht unbedingt eine Hierarchie, als Arbeitsteilung könnte es auch gesehen werden. Es gibt eben verschiedene Zuständigkeiten und Kommunikationswege. Der Austausch darüber ist entscheidend. Nicht immer geschieht der zeitgleich, aber letztlich wird doch transparent, was Gott mit Mose geredet hat. Wo gemeinsam das Ziel im Blick bleibt, kann es dann egal sein.

Klar, gewünscht hätte ich mir, dass die offene Kritik, sich anders ausgewirkt hätte, eben gleich bei Aaron und Mirjam. Aber vielleicht macht auch gerade der Unterschied den Reiz der Geschichte aus. Denn da werden Mose und Aaron darauf gewiesen, dass sie nur zusammen gut für das Volk agieren können trotz unterschiedlicher Meinung zu einem Sachverhalt, trotz unterschiedlicher Kompetenzen. Wo das gelingt, kommt ein Team weiter.
Was beeindruckt mich an Mirjam?
Eine Scheibe abschneiden möchte ich mir: Von ihrem Mut, ihrer Fürsorge, aber auch ihrer listigen Argumentationsführung mit Charme, ihrer herzlichen Spontanität, die sich im Dank äußert, ihrem Blick auf den, der uns das Leben schenkt, der einen Neuanfang möglich macht. Ihre offene Kritik, ihre Beharrlichkeit ist klar und ehrlich.
Was bleibt von der Person Mirjam?
Die Person Mirjam, der Name repräsentiert eine Mischung der von Gott „geliebten“ und „der Bitteren“ und „Ungezähmten“. Diese Mischung bringt sie mir nahe. Wer sich geliebt weiß, kann über sich hinauswachsen, Verantwortung übernehmen, sich solidarisieren. Die „Ungezähmte-Widerspenstige“ ist die Freie, die sich nicht festlegen lässt auf Rollenbilder und Erwartungen. Die überrascht, weil sie auch spontan agieren kann. Und die Bittere erlebt die Grenzen, die ihr gesetzt sind. Aber weil sie geliebt wird, kann sie versöhnt mit ihren Grenzen leben. Im Vertrauen auf Gott, der da ist, die Not sieht und hindurchführt durch alle Meere der Angst und Verzweiflung. Das hat Mirjam erlebt. Davon singt sie. Auch für uns.
Amen.

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